Härteprüfung am Schleizer Dreieck

Granfondo San Gottardo

15. Juli 2017 Comments (0) Berichte

La Leggendaria Charly Gaul

Unser unermüdlicher Erich vertritt die Teamfarben regelmäßig auch international. Lest hier seine aktuellen Erlebnisse in Italien:

>>Man sagt, „Täter“ ziehe es immer wieder zum Tatort zurück. So ähnlich ging es mir auch. Hatte ich doch 2015 beim „La Leggendaria Charly Gaul“ in Trento/Italien erstmalig meine Qualifikation für das WM-Finale der UCI GranFondo World Series geschafft. Doch durch meine erfolgreiche Qualifikation beim neuen „Schleck GranFondo“ in Luxemburg im Mai dieses Jahres stand die Teilnahme in Trento, ursprünglich als Plan B gedacht, nun nicht mehr unter Erfolgsdruck. Aber die malerische Altstadt von Trento und die umgebende Gebirgslandschaft sind immer eine Reise und ein paar Tage Urlaub wert! Umso unverständlicher, dass die Teilnehmer fast ausschließlich aus Italien kommen.

Die Veranstaltung fand dieses Jahr zum 12.Mal statt und erinnert an den Giro d‘ Italia-Etappensieg des Luxemburger Rennfahrers Charly Gaul, der 1956 in einer Alleinfahrt bei Regen und Schnee, halb erfroren die 1460 Hm des Schlussanstiegs auf den Monte Bondone bewältigte.

Vor dem Hauptrennen gab es am Freitag ein 24-Kilometer-Zeitfahren mit 442 Hm, Start und Ziel im 15 km entfernten Cavedine. Der starke Ora-Wind und der bis zu 10% steile Anstieg auf dem Rundkurs hielten mich davon ab, mit Scheibe zu fahren. Die überwiegenden Mehrheit der Teilnehmer sah das offensichtlich ähnlich. Von den vier vor mir gestarteten Männern konnte ich den 20 Sek. vor mir Gestarteten nach ca. 1,5 km überholen, einen zweiten hatte ich bereits bis auf 20m Abstand vor mir. Doch auf der rasenden Abfahrt durch Drena zum Lago de Cavedine fuhr er mir leider auf und davon. So blieben im weiteren Verlauf nur 5 der vor den Männern gestarteten Frauen, die ich überholen konnte. Auf den letzten Kilometern wurde ich das Opfer von zwei Jüngeren, die mich passierten. Trotzdem stellte ich im Ziel zu meiner Freude fest, dass es zum 2.Platz in der AK gereicht hatte. Und das selbstgesteckte Ziel einer Zeit unter 45 Min. hatte ich auch geschafft.

Am Sonntag werden zwei Strecken alternativ angeboten: den Mediofondo mit 57 Kilometern und circa 2.000 Höhenmetern und den Granfondo mit 141 Kilometern und circa 4.000 Höhenmetern. Aber das WM-Qualifikationsrennen für alle Frauen und Männer über 50 ist zwingend der Mediofondo.  Zum Glück waren die Temperaturen am Sonntagmorgen beim Start auf dem historischen Piazza Duomo noch nicht am Maximum. Altersklassen-bedingt startete ich  ungewohnt nur aus dem letzten Startblock der ca 1.550 Starter beider Strecken. Die Spitze des Feldes ist bereits seit fünf Minuten unterwegs, als ich über die Startlinie rolle. Anders als bei unseren GCC-Rennen wird erstaunlich diszipliniert gefahren. Auf der flachen Schnellstraße nach Norden zieht sich das gemeinsame Feld aus Medio- und GranFondo-Fahrern recht weit auseinander. Der kleine Schleife mit bis zu 10% Steigung verstärkt diesen Effekt naturgemäß. Dank des späten Starts überhole ich nun aber Fahrer um Fahrer. Das motiviert! Leicht vom Wind unterstützt geht es nach einer rasanten Abfahrt mit über 50 km/h auf der flachen Schnellstraße wieder zurück nach Trento. Die Streckenteilung an der Etsch-Brücke habe ich nach 1:08 Stunden erreicht. Nun heißt es möglichst schnell den Rhythmus für die letzten 20 Kilometer mit 1.460 Hm zu finden. Das gelingt recht schnell und ich kann ihn bis ins Ziel recht gut halten. Das muntere Überholen langsamerer Fahrer setzt sich weiter fort und motiviert mich zusätzlich. An den unterschiedlich farbigen Startnummern erkenne ich aber, dass AK-Konkurrenten leider nicht dabei sind. So bin ich mit meiner Nettozeit von 2:40:50 im Ziel nicht ganz zufrieden. Ist sie doch mehr als 7 Min. langsamer als zwei Jahre zuvor und reicht nur zum 7. AK-Platz von 29.

Egal, die Quali für das diesjährige UCI-Finale in Albi/F hatte ich ja schon in der Tasche und habe sie auch mit den Ergebnissen von Trento erneut bestätigt. Die halbstündige Abfahrt ins Etschtal zurück nach Trento gilt es zum Abschluss nur noch zu genießen.

Erich<<

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