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31. Juli 2017 Comments (0) Berichte

Rad am Ring, die „grüne Hölle“

Einer der Saisonhöhepunkte jedes Jahr ist das Jedermann Rennen am Nürburgring. Wobei Rennen für die allermeisten Teilnehmer der falsche Begriff ist. Es ist eher ein Kampf. Gegen die Strecke, die Belastung, gegen sich selbst. Den Spitznamen „grüne Hölle“ trägt der Kurs nicht ohne Grund. 150 Kilometer auf der langen Strecke mit 3.000 Höhenmetern sind schon ein Brett.

Auf jeden Fall hat es bestes Wetter, als am Samstagmorgen das Sebamed Racing Team mit vielen Helfern anreist, um diese Herausforderung zu meistern. Nur auf den sehr starken Wind, der den Fahrern Richtung Ziel Kilometerlang ins Gesicht bläst, könnten sicher die meisten verzichten. Am Start stehen um 12:00 Andriy, Björn, Eric, Erich, Frederic, Gary (traditionell auf der 75 Km Distanz), Jonas, Klaus, Martin, Maxim, Silke, Tilo und Willi. Außerdem sind zur Unterstützung vor Ort: Alexandra, Anne, Caro, Jens, Nicole, Susi, Sven, Thorsten, Valerie und Yvonne. Wiedermal ein Riesenaufgebot also. Und es muss gleich gesagt werden: die Sebamed Unterstützer-Truppe hat klar den (imaginären) Preis für den besten Support verdient. Nicht nur Getränke und Gels anreichen, auch lautstarkes Anfeuern (nicht nur der eigenen Teilnehmer) gehört zum Repertoire, das viele Rennteilnehmer und sicher auch die anderen Unterstützer nicht vergessen werden.

„Gute Stimmung auch beim Co-Sponsor Xenofit am Stand“

Nun zum Verlauf: bereits in der ersten Runde setzt sich vorne eine ca. 12-köpfige Spitzengruppe ab, die an unserem Supporthügel rund 1 Kilometer vor Rundenende mit knapp 1 Minute Vorsprung auf die knapp 40 Fahrer große Verfolgergruppe um das gelbe Trikot, Daniel Knyss, ankommt. Bei diesen Verfolgern fahren als bestplatzierte Sebamed Fahrer zu diesem Zeitpunkt Tilo und Andriy mit. Die Spitzengruppe produziert die Geschichte des Renntags, da sie kurz nach Passieren der Verpflegungsstelle rechts abbiegt, statt gerade aus weiter Richtung Zielstrich und damit dem Beginn der zweiten Runde zu fahren. Auslöser des Ganzen ist ein missverständliches Schild für ein anderes Rennen, das der Veranstalter platziert hat. Die Spitzengruppe kürzt dadurch gut 3,5 Kilometer ab und gewinnt einige Minuten Vorsprung mehr. Der Veranstalter macht den von ihm mit verschuldeten Fauxpas gut, indem er die Ausreißer im Lauf der zweiten Runde anhält und wieder mit der Verfolgergruppe zusammen führt. Ob das tatsächlich eine für alle faire Lösung ist, mag jeder selbst beurteilen. Auf jeden Fall war es Anlass vieler Diskussionen während und nach dem Rennen.

Am Ende der zweiten Runde sind nun immer noch Andriy und Tilo ganz vorn drin. Maxim kommt als nächster bei der Verpflegung vorbei. Er sieht gut aus, der Tritt flüssig, obwohl das eigentlich nicht sein bevorzugtes Streckenprofil ist. Dann folgt Jonas, auch noch gut in Schuss, dahinter Gerhard, der Teufelskerl. Mit seinen deutlich über 60 Jahren fährt er zu diesem Zeitpunkt auf eine Top 100 Platzierung zu. Frederik, Eric und Martin kommen in einer nächsten Gruppe. Frederic ist bereits in der ersten Runde in einen Sturz verwickelt, bekommt zwar selbst kaum etwas ab, aber ist eben doch aufgehalten und aus dem Rhythmus. Er kämpft sich jedoch Runde um Runde nach vorne. Am Ende kommt er als 5. des Teams ins Ziel, eine Willensleistung. Das ist es aber heute für alle. Wind, Höhenmeter, die Stauhitze an der gefürchteten „Hohen Acht“, dem mit 18% steilsten Teil, und schlussendlich auch die 150 Kilometer lassen die Beine Runde für Runde schwerer werden. Zwei von uns verlieren diesen Kampf heute und müssen früher raus. Eric und Björn verlassen beide am Ende der 5. Runde das Rennen, total „leer“ müssen sie die Segel streichen. Eric´s Start war sowieso eine mutige Entscheidung, hat er doch dieses Jahr wegen einer Erkrankung noch kaum Kilometer in den Beinen. Trotzdem fährt er bis zur Aufgabe überraschend gut. Am Ende reicht der Tank aber dann doch nicht. Björn muss sich zwischendurch übergeben, es ist heute nicht sein Tag und man muss auch wissen, wann Schluss ist.

Alle anderen kämpfen ihren Kampf. Tilo weiter ganz vorne in der Spitze, Andriy lange auch, erst in der letzten Runde lässt er reißen. Sein Gesicht ist mitleiderregend, als er am Ende Richtung Ziel fährt. Dahinter kommt Maxim, unser neuer Kletterspezialist, bevor Jonas als vierter Fahrer die Wertung für Team 1 komplett macht. Frederic hat sich auf den fünften Platz des Teams vorgekämpft, dahinter folgt Gerhard. Auch er hat zum Schluss große Probleme, Krämpfe zwingen ihn zu Pausen, er bringt sein Resultat trotzdem heim. Martin, völlig am Ende, aber „durchgebissen“ und Klaus komplettieren das Ergebnis für Team 2. Hier ein paar Worte zu Klaus: mit fast zwei Meter Körpergröße und knapp 90 Kg ist er alles andere als eine Bergziege. Trotzdem fährt er jedes Jahr dieses harte Stück Arbeit zu Ende. Ich habe ihn hier schon in allen Facetten leiden sehen, auch wegen Krankheit angeschlagen ist er gefahren, als es vor zwei Jahren um die Teamwertung ging. Ein Paradebeispiel für echten Sports- und Teamgeist! Erich folgt kurz darauf, mit seiner Erfahrung aus vielen Alpenkilometern hat er die Herausforderung souverän gemeistert. Und als diese Fahrer alle Richtung Ziel durch sind, kommen Willi und nach ihm noch Silke an der Verpflegungsstelle vorbei: beide haben noch eine volle Runde zu fahren. Eine Wahnsinnstortur, deutlich über 6 Stunden fahren sie am Ende. Klasse Leistung und Hut ab vor diesem Durchhaltewillen! Für Silke springt vorerst der zweite Rang in der Frauengesamtwertung dabei heraus.

Bei schöner Sonne sitzen Betreuer und Starter noch lange zusammen, bevor es Richtung Heimat geht. Jetzt steht in Dresden das Skoda Velorace an, fast ohne Höhenmeter genau das Richtige.

 

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