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7. September 2017 Comments (0) Berichte

UCI 2017 Gran Fondo World Championships in Albi/F

Lest hier, was unsere Teilnehmer an der World Championship in Frankreich erlebt haben:

Die 7. Austragung der UCI Weltmeisterschaft für Amateure und in den Altersklassen war, nach Perth im vergangenen Jahr, in diesem Jahr wieder nach Europa, ins südfranzösische Albi vergeben worden. Dass diese WM zunehmend an Interesse gewinnt, zeigt sich an der Rekordzahl der Teilnehmer, die zuvor in 20 weltweiten Qualifikationsrennen oder über Wild Cards ihrer Verbände die Startberechtigung erhalten hatten. In der Addition aus Zeitfahren und Straßenrennen waren 2940 Starter/innen aus 56 Nationen gemeldet. Zahlenmäßig am stärksten vertreten waren die Briten mit 910 Starter/innen, gefolgt von den Franzosen und den Australiern. Dass Deutschland mit 75 erst an 8. Position noch hinter Neuseeland zu finden ist, ist sicher auch der fehlenden Qualifikationsmöglichkeit in Deutschland geschuldet und dem nicht spürbaren Interesse des BDR an dieser WM. Zum Trost sei aber auch gesagt, dass Masse nicht Klasse ist und die britischen Fahrer/innen mit wenigen Ausnahmen eher auf den hinteren Plätzen zu finden waren.

Das 22,9 km Einzelzeitfahren mit ca. 105 Hm startete und endete auf der Autorennstrecke am Rande von Albi. Vorab wurden alle Räder nicht nur auf UCI-Zulassung und Einhaltung der speziellen Einstellmaße für Zeitfahrmaschinen, sondern neuerdings auch auf verborgene E-Motoren überprüft. Nach den Frauen, die als erste am Tag starteten, hatte ich mit meiner AK 65-69 und der Startzeit von 10:23 noch Glück. Die Temperaturen um 27°C waren noch erträglich. Anders bei den jungen AK’s, die am Nachmittag bei deutlich über 30°C ins Rennen gingen. Von meiner Besichtigungsrunde vom Vortag wusste ich, dass mit Verlassen der Autorennstrecke der gute Asphalt leider sein Ende hat. Doch mit leichtem Schiebewind und der neu montierten Scheibe am Hinterrad konnte ich die flachen ersten 8 km bis zur Steigung mit einem 42er Schnitt bei 95% max. Puls bewältigen. Im zwar nur 1000m langen 4%-Anstieg spürte ich bereits die Anstrengung des Anfangs. Da waren auf der Abfahrt nach 12 km die kurzen Augenblicke der Erholung hoch willkommen. Bereits längere Zeit im Blick, gelang es auf der flachen Rückfahrt, zwei vor mir gestartete Fahrer zu überholen. Immer ein gutes Gefühl beim Zeitfahren! Leider wurde aber auch ich in dieser Phase Opfer einer Überholung. Zurück auf der Autorennstrecke hatte die Rumpelei über schlechten Belag zwar ein Ende, dafür war man nun dem leichten Gegenwind absolut ungeschützt ausgesetzt. Die letzten 2 km zogen sich wie Kaugummi, bevor mich nach Passieren der Zielkurve der Wind wieder von hinten unterstützte und mit 46 km/h ins Ziel fahren ließ. Als 18. von 30 AK-Startern aus 18 Ländern gab es keinen Grund zum Jubel aber auch keinen Grund zum Unglücklichsein.

Beim Straßenrennen am Sonntag mit Start an der Kathedrale, dem Wahrzeichen Albi’s, ging es erst mal chaotisch zu. Alle über 2000 Fahrer/innen hatten sich in einer engen Straße bunt gemischt angesammelt. Nun sollten die verschiedenen AK’s/Startblöcke nach vorne kommen. Jeder Startblock hatte seine eigene Startzeit. Angesichts der engen und vollen Straße kein einfaches Unterfangen. Nur gut, dass ich im letzten Männerblock mit den AK’s 65-69, 70-74 und 75+ startete. Hinter uns nur noch Frauenstartblocks. Die 97km-Strecke mit ca.950Hm für alle Männer über 60 und alle Frauen kannte ich bereits vom Qualifikationsrennen des Vorjahres. Eine Trainingsrunde über den hügeligen 77 km Abschnitt zwei Tage zuvor hatte mir die Strecke wieder in Erinnerung gebracht.

So ging es denn im Block der ca.150 „alten Männer“, davon 94 in meiner AK, zunächst neutralisiert bis zur Stadtgrenze. In den deutschen Farben mit dabei Robin Schumann vom Niederrhein, Hans Bauer, letztjähriger Dritter und in Neuseeland ansässiger Vater des Radprofi’s Jack Bauer sowie mein Teamkollege Gerhard Hack aus dem Sebamed Racing Team.

Meine Befürchtung, gleich an den ersten Steigungen den Anschluss an die Spitze zu verlieren, bestätigte sich nicht. Im dichten Pulk schienen sie flacher geworden zu sein. Eine kurze steile Abfahrt mit enger Kurve zog das Feld nur kurz auseinander, bevor an der Streckenteilung (die AK’s unter 60 fuhren 155 km) ein lauter Knall erschreckte. Ein Blick nach unten ließ mich durchatmen. Der vermutliche Reifenplatzer war nicht bei mir passiert. Um etwaige Ausreißversuche mitzubekommen, hielt ich mich immer im Bereich der ersten 30 Fahrer auf. Nach dem ca. 10 km langen 3-5%-Anstieg gab es für einige Verwirrung. Bei einer zwischenzeitlichen Wiedervereinigung mit der 155 km-Strecke fuhr eine Gruppe AK19-34 unmittelbar vor uns. Als diese 2km später an einer 2.Streckenteilung abbogen, glaubten einige trotz ausreichender Ausschilderung, ihnen folgen zu müssen. Streckenkenntnis ist halt auch immer von Vorteil! Der höchste Punkt des Kurses war nun erreicht. Zeit zum Verpflegen und Durchschnaufen auf der Abfahrt nach Cordes-sur-Ciel, einem auf einer Bergkuppe malerisch gelegenen mittelalterlichen Ort.

Immer noch in der Spitze, wusste ich aus 2016, dass nun der Anstieg der Wahrheit folgt. Aber wie im Vorjahr gelang es, wenn auch nur mit max. Puls, dran zu bleiben. Auch an den zurück ins Tarn-Tal schwächer werdenden Wellen änderte sich daran nichts. Dennoch muss sich der spätere Sieger Rudolf Sluyts aus Belgien hier irgendwo unbemerkt abgesetzt haben. Der Rennüberblick wurde allerdings zunehmend durch eingeholte Fahrer der AK60-64 erschwert, deren 7 Min. Vorsprung vom Start aufgezehrt war. Auch Robin Schumann versuchte es ca.12 km vor dem Ziel alleine.

In der flachen Anfahrt zum Ziel, welches wiederum auf der Autorennstrecke plaziert war, kam es aus unerfindlichen Gründen ca. 2,5 km vor dem Ziel zu einem Sturz in der bereits kleiner gewordenen Gruppe. Der vor mir fahrende Hans Bauer konnte nicht mehr ausweichen und stürzte ebenfalls. Ich konnte mit einer Vollbremsung so gerade noch meinen Sturz verhindern. Da ich praktisch zum Stehen gekommen war und bei der zu erwartenden Sprintentscheidung um die Plätze vermutlich das Nachsehen gehabt hätte, entschied ich mich, Hans zu helfen, zumal er zunächst ziemlich regungslos am Boden lag. Im Gegensatz zum Österreicher Hrinkow, der mit blutüberströmten Gesicht ins Ziel kam, hatte es Hans zum Glück wohl nicht so schlimm erwischt. Locker rollten wir gemeinsam ins Ziel.

Gerhard Hack hatte sich im Sprint um die Podiumsplätze 2 und 3 mit dem undankbaren Rang 4 zufrieden geben müssen. Robin Schumann konnte seine Flucht nicht erfolgreich abschließen und landete auf Platz 21. Glaubte ich, durch den Sturz seien alle an uns vorbei gezogen, so stellte ich beim Blick auf die Ergebnisliste erstaunt fest, noch 37. und 38. geworden zu sein. Offensichtlich hatten wir 55 Fahrer deutlich distanziert.

Erich

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