Rothaus Riderman

4. Oktober 2017 Comments (0) Berichte

Saisonfinale in Münster – und was für eins!

Was für ein Hammer! Ich muss erst mal Worte finden für das, was beim Münsterland Giro ablief: ein Saisonfinale absolut nach Wunsch, besser hätte es kein Hollywood-Drehbuch erfinden können.

Nachdem mit Alexander ein wichtiger Fahrer durch einen Unfall mit dem Motorroller ausfiel, war die Mannschaft bereits früh in dieser Saison geschwächt. Dann Frédérics Sturz im Hockenheimer Finale, als er drauf und dran war, auf`s Gesamt-Podium zu sprinten.

In Dresden haben wir es einfach nicht hinbekommen und so gingen uns langsam die Rennen aus, um unsere Teamziele noch zu verwirklichen: haben wir uns doch vorgenommen, in 2017 bei wenigstens einem Rennen auf`s Team- oder auch auf`s Gesamtpodium des German Cycling Cup zu kommen. Dabei haben wir besonders die flachen Rennen im Blick, da wir nach wie vor mehr Tempobolzer als Bergziegen und mit Frédéric auch einen endschnellen Sprinter haben.

Bad Dürrheim lief schon sehr ordentlich, wir konnten unsere Team-Platzierung auf die Verfolger absichern und den Vorsprung etwas ausbauen. Die Hoffnung, sich noch einen Platz zu verbessern, war danach allerdings direkt mit einem der Hauptsaisonziele verknüpft: nur durch ein Teampodium bestand noch die Möglichkeit, die vor uns liegende Mannschaft einzuholen.

Mit diesem Hintergrund schwenken wir jetzt nach Münster, zum Start des Münsterland-Giro. Letztes Rennen des German Cycling Cup am 3. Oktober 2017, letzte Chance. 125 flache Kilometer warten auf das Sebamed Racing Team, pünktlich um 9:45 Uhr fällt der Startschuss.

Das Rennen verläuft bis auf einige Stürze ohne besondere Ereignisse: vorne versucht das Team Strassacker durch Attacken den Kampf um das gelbe Trikot frühzeitig zu entscheiden. Wenn der Gesamt-Zweitplatzierte, Daniel Knyss von Merkur Druck, nicht mindestens 18 Plätze (und das geht eigentlich nur über ein Podium) auf Hanno Rieping von Strassacker gutmacht, gewinnt Rieping die Gesamt-Einzelwertung 2017. Also ist es eine logische Taktik, Fluchtgruppen die Chance auf die ersten Plätze zu geben. Genauso logisch ist es, dass das Merkur Druck Team alle Fluchtgruppen wieder stellen muss und dabei seine Kräfte verschleißt. Selbst mit Daniel Knyss eine Ausreißergruppe zu stellen ist bei der Stärke von Strassacker aussichtslos.

Unsere Fahrer vorne drin sind allerdings von Anfang an aktiv. Dabei agieren wir mit geteilten Gefühlen: einerseits wollen wir natürlich die eigenen Interessen obenan stellen, und da ist eine Flucht in einer überschaubaren Gruppe erste Wahl. Andererseits gönnen viele von uns Daniel Knyss den Titel. Nichts gegen die Strassackers und besonders nicht Hanno Rieping, das ist eine gute Truppe! Allerdings ist Hanno erst dieses Jahr seit langem mal wieder dabei, während Daniel seit Jahren häufig eng am Titel ist und dieses Jahr wahrscheinlich in der Form seines Lebens und so chancenreich wie noch nie. Deshalb arbeitet auch zumindest Jonas immer mal mit Merkur Druck, wenn es gilt eine Fluchtgruppe ohne Sebamed Racing Team Beteiligung einzuholen.

So viel zur Konstellation.

In die Stürze sind leider auch mehrere Sebamed Fahrer verwickelt: Björn erleidet einige Blessuren, kann aber durchfahren. Gerhard wird durch eine Welle und eine apprupt endende Teerdecke auf den Randstreifen gedrängt. Beim Versuch, wieder zurück zu springen, rutscht er aus, fällt und reißt einige Andere mit. Für ihn ist wegen Defekt das Rennen beendet. Klaus erwischt es bei Kilometer 80 am härtesten, er holt sich neben tieferen Fleischwunden auch eine schmerzhafte Rippenprellung. Trotzdem fährt er zu Ende, knallhart, der Junge.

Währenddessen geht das Rennen an der Spitze in die Endphase. Eine 5 bis 6 Fahrer starke Gruppe löst sich wenige Kilometer vor dem Ziel, wird aber wieder gestellt. Allerdings nicht alle, das Führungsfeld bemerkt nicht, dass sich zwischenzeitlich zwei Fahrer nach vorne aus dem Staub gemacht haben. Sie belegen später die beiden ersten Plätze des heutigen Rennens.

Rund 3 Kilometer vor dem Ziel gibt Alexander, der nach Wiedergenesung und erster Teilnahme in Bad Dürrheim heute auch dabei ist, das Kommando an Andriy unseren Tempobolzer nach vorne zu gehen. Alex sieht, dass das Tempo runtergeht und die Gefahr droht, dass die hinteren Fahrer seitlich aufholen und vorbeifahren, was den Zielsprint unkontrollierbar macht. Also geht Andriy nach vorne und drückt drauf. Das hält er einen guten Kilometer durch, das Feld hinter ihm wird zur „Perlenkette“, in der die Sebamed Fahrer weit vorn platziert sind. Nach Andriy übernimmt Strassacker und hält das Tempo hoch. Dann der Sprint, Daniel Knyss setzt sich durch, dahinter Hanno Rieping und zwei Anfahrer. Der einzige Fahrer von uns, der dem immensen Tempo folgen kann, ist Frédéric, der auf einen hervorragenden siebten Gesamtrang fährt, nimmt man die Ausreißer weg, ist er 5. des Sprint geworden. Bravo! Mit einer kleinen Lücke folgt der Rest des Feldes, ganz weit vorne drin Jonas (12.), Alex (18.) und Tilo (20.). Nur Strassacker kann mehr Leute vorne platzieren. Uns wird erst langsam klar, was das heißt: unser erstes Teampodium und auch noch gleich der zweite Platz! Ein absoluter Traum.

Und es hört gar nicht auf: dadurch haben wir uns auch in der GCC Team-Gesamtwertung noch einen Platz nach vorne auf den 6. Platz geschoben.

Bei den Siegerehrungen später haben wir viel zu feiern. Auf dem Tagespodium des Münsterland Giro landen Erich (3. in seiner AK) und Frédéric (2. in seiner AK).

Für die German Cycling Cup Serie 2017 sieht es noch besser aus:

Teamwertung Platz 6 (nur vier Teams vor uns, da Strassacker zwei vor uns platziert), Silke mit dem Gesamtsieg ihrer AK Masters 2, Tilo wird Gesamtzweiter in seiner AK Masters 2, Gerhard holt sich den Gesamtsieg in seiner AK Masters 4 und Erich wird Gesamtzweiter ebenfalls in der AK Masters 4.

Alles in allem eine rundum gelungene sowie spannende und ereignisreiche Saison 2017.

Autor: Sven Schiefer

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