Deutschlandtour 2018 – Jedermannrennen Stuttgart

Münsterland Giro

26. September 2018 Comments (0) Berichte

Rothaus Riderman

Nun schon zum 19. Mal findet der Riderman in Bad Dürrheim im Schwarzwald statt. Eines der wenigen Etappenrennen für Jedermänner, vorletztes und längstes Rennen des GCC, wunderschöne Strecke, hochprofessionell organisiert. Das Motto des Veranstalters Rik Sauser „Ride like a Pro“ ist hier nicht nur ein Marketing-Spruch. Kurz gefasst: ein Rennen, bei dem man dabei sein muss.

Und das Sebamed Racing Team ist dabei: 15 StarterInnen stellen wieder einmal eines der zahlenmäßig stärksten Teams dar. Außerdem sind 8 Unterstützer dabei. Eine Riesentruppe also, die sich da drei Tage dem Radrennsport verschreibt.

Freitags geht’s mit dem bekannten Zeitfahren über 16 Kilometer los. Da am Ende die Zeit aller Etappen die Platzierung bestimmt, geht es bereits hier um Sekunden. Außerdem wird je nach Abschneiden der Startblock des nächsten Tages festgelegt. Die Bedingungen sind schwierig heute, starker Wind und teils nasse Strecke, auch wenn der Regen nur einmal runterkommt (genau über Alex, der darüber laut fluchend im Ziel steht). Trotzdem können die meisten SRT´ler ihre Vorjahreszeit sogar noch verbessern. Die beste Zeit liefert Andriy ab, der dadurch auf dem sensationellen 7. Gesamtrang einsteigt.

Abende geht es gemeinsam auf die Pasta-Party, danach noch in die Hotelbar (natürlich bei Wasser und Kaffee). Es ist, neben dem Sport, auch diese Gemeinschaft, die das Team ausmacht.

Am nächsten Tag steht die zweite Etappe über 109 Km mit 1.600 Höhenmetern an. Eine wirklich schwere Prüfung, noch dazu, da der Wind weiter kräftig pfeift. Aber wenigstens lacht heute meist die Sonne. Nach dem Startschuss und der neutralisierten Phase aus dem Ort geht es hoch auf die Hirschhalde, den Hügel, der auch beim gestrigen Zeitfahren zu erklimmen war. Bereits auf dessen Kuppe, bei Rennkilometer 3, fühlen sich zwei Fahrer so stark, dass sie die erste Attacke lancieren. Und wer geht sofort mit – unser Andriy. Renntaktik war noch nie wirklich seine Sache… Aber, er ist heute stark, sehr stark. So kann er in der Folge mit Christian Kreuchler, Anthony Spysschaert und weiteren Fahrern noch diverse Attacken mitgehen und auch selbst initiieren. Aber Christian Kreuchler von BKK Mobil Oil hat keinen Freibrief, sprich, er kann nicht für sich selbst fahren. Er muss immer wieder rausnehmen und auf seinen Teamkapitän Valentin Szalay warten, der um den Gesamtsieg im GCC kämpft. Anthony Spysschaert dagegen, ebenfalls ein Top-Bergfahrer, nimmt ebenfalls nach den Attacken immer wieder raus, scheint nur für das Brgtrikot zu fahren. So bleiben am Ende alle Angriffe erfolglos, außer, dass die Spitzengruppe auf 17 Fahrer dezimiert wird. Am letzten Anstieg des Tages, dem Aasen, der zwar kurz, aber sehr steil ist (bis zu 15%), suchen die Fahrer die Entscheidung. Das kleine Feld teilt sich in zwei Gruppen, Andriy am Ende der zweiten. Noch etwas dahinter Christian Müller. Christian, ein bärenstarker Rouleur, mit vielen Siegen, auch hier beim Riderman, ist auf solchen Anstiegen durch seine Größe von über 1,90 Meter und sein dadurch recht hohes Gewicht im Nachteil. Er hat schon vorher regelmäßig an den Anstiegen die Gruppe ziehen lassen müssen, allerdings in den Abfahrten und den Flachstücken genauso regelmäßig wieder aufgeschlossen und sogar selbst attackiert oder Tempo gemacht. Oben kommt Andriy eben mit dieser zweiten Gruppe an, vorne haben sich 7 Fahrer mit einem Vorsprung von knapp 100 Meter abgesetzt. Es geht jetzt gut 2 Kilometer flach, dann links den Hügel hinab und rechts nach Bad Dürrheim ins Ziel. Alles in allem noch rund 5,5 Kilometer. Andriy streitet sich gerade mit zwei anderen Fahrern, wer jetzt Tempo macht, um die da vorne einzuholen. Alle sind jetzt am Ende dieser schweren Etappe platt. Da kommt von hinten wie ein D-Zug Christian Müller an der Gruppe vorbei gerauscht. Andriy sieht es, reagiert sofort und klemmt sich an sein Hinterrad. Selbst im Windschatten muss er alles aus sich rausholen, um überhaupt dran zu bleiben. Christian schließt mit Andriy im Schlepptau kurz vor der letzten Abfahrt zur vorderen Gruppe auf. Sobald die Abfahrt beginnt, macht Christian das, was er immer macht, was jeder weiß, und doch keiner verhindern kann: er tritt an, setzt sich auf sein Oberrohr und fährt der Gruppe davon. In einem letzten Kraftakt wirft sich Andriy wieder in seinen Windschatten. Er tritt zu diesem Zeitpunkt eine maximale Frequenz von 142, kurzzeitig bis zu 600 Watt (im Windschatten wohlgemerkt). Aber er kann Christian trotzdem nicht halten, der zieht unaufhaltsam davon. Kurz nach der Kurve, die unten am Ende der Abfahrt rechts in die Zielgerade führt, wird Andriy von der Gruppe eingeholt. Christian Müller rettet vorne 20 Meter Vorsprung ins Ziel und feiert einen beeindruckenden Etappen-Sieg. Andriy fährt auf Position 8 über die Linie, ebenfalls ein Spitzenresultat. Besonders, weil er dadurch in der Gesamtwertung auf Rang 4 vorrückt.

Es folgt am Sonntag die dritte Etappe über vergleichsweise kurze 86 Km mit rund 1.000 Höhenmetern. Die Konstellation ist: Andriy auf 4, gut 20 Sekunden von Platz drei entfernt, aber nur zwei Sekunden vor seinem nächsten Verfolger. Weitere 2 Sekunden zum Nächsten, bis Platz 8 ist es eine knappe Minute. Christian Müller hat durch seinen gestrigen Solosieg die Gesamtführung von Christian Kreuchler übernommen. Man könnte also spekulieren, dass Christian Müller eventuelle Attacken neutralisieren würde und gegen Ende sein Heil in einer erneuten Soloflucht sucht. Auf die gleiche Art hat er die letzten zwei Jahre genau diese dritte Etappe gewonnen. Dabei kommen ihm mit seinen enormen Rollerfähigkeiten die letzten, eher flachen 20 Kilometer mit einer nicht allzu schweren Bergwertung entgegen. Andriy könnte also Kräftesparend fahren und, wenn die erwartete Attacke kommt, mitgehen und durch Christian vielleicht sogar noch aufs Podium fahren. Könnte, hätte, wäre, wenn… Andriy denkt anders und greift selbst an. Bei Kilometer 3,5, auf der Hirschhalde, dem ersten Hügel, auf dem er auch gestern den beiden Hasardeuren gefolgt ist. Eine Harakiri Aktion. Da ihm niemand folgt, fährt er ab diesem Zeitpunkt alleine gegen das Verfolgerfeld. Er vergrößert seinen Vorsprung sogar auf zwischenzeitliche 40 Sekunden. So geht das 60 Kilometer. 60 Kilometer! Eine Energieleistung. Im Verfolgerfeld schauen alle auf Christian Müller. Er trägt das Spitzenreitertrikot, soll er doch die Lücke schließen. Und Christian arbeitet tatsächlich, obwohl er durch Andriy bei diesem Vorsprung nicht gefährdet ist. Aber es gibt halt keinen Funk im Jedermannsport. Und da Christian auch kein Team hat, das ihm hilft, entspannt sich ein Kampf Mann gegen Mann. Christian schließt die Lücke langsam, weil Andriy berhoch stärker ist, Christian im Flachen und bergab. Später beteiligt sich auch Anthony Spysschaert an der Verfolgung. Schlussendlich wird Andriy gestellt und bis ins Ziel, erschöpft, wie er ist, um eine Minute distanziert. Auch Christian Müller verliert, ebenfalls erschöpft von der Aufholarbeit, Zeit und Gesamtführung.

Am Ende bleibt für Andriy mit Gesamtrang 10 der beste Platz, den je ein Sebamed Racing Team Fahrer beim Riderman erkämpft hat. Und die Anerkennung für eine tolle kämpferische Leistung. Mit etwas mehr taktischem Gespür wäre vielleicht noch mehr drin gewesen. Aber das kann ja noch kommen.

Auch alle anderen fahren ihre Rennen zu Ende, bis auf Björn, der mit Magenproblemen aufstecken muss, und Erich, den erst Sturzpech und dann der Defekt-Teufel erwischt. Für das Team springt dabei ein 8. Platz in der Teamwertung heraus, was den 4. Rang in der Gesamtwertung festigt.

Vielen Dank an Nina Elsässer für das tolle Foto von Jonas neben Christian Kreuchler vom BKK Mobil Oil Cycling Team. Nina macht wirklich Spitzenfotos.

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