Münsterland Giro

Saisonrückblick 2018

26. Dezember 2018 Comments (0) Berichte

Wintersport: UCI Gran Fondo Dubai

Manche bekommen nie genug. Zu dieser Art Radsportler gehört auch Willi, der im Dezember noch mal nach Dubai jettet, um dort ein Radrennen zu absolvieren. Dass er dann vor Ort noch andere Fahrer aus der deutschen Jedermann-Szene trifft zeigt, dass er mit solchen Ideen  nicht alleine ist. Lest hier seinen unterhaltsamen Bericht aus dem mittleren Orient:

>>Mitte Oktober, ein weiteres Jahr GCC war zu Ende. So richtig abgeschlossen hatte ich aber nicht. Sollte es das gewesen sein? Bis auf Leipzig liefen die Rennen nicht nach meinen Vorstellungen. Ich hatte mir im ersten Jahr Master IV mehr erhofft. Aber zwei Stürze und mehrere technische Defekte ließen mich die Saison eher durchwachsen abschließen.

Beim Durchstöbern diverser Radsportseiten landete ich auch auf der Seite des UCI Gran Fondo. Hier wollte ich schon mal im September 2018 beim Poznan Bike Challange starten. Jedoch der gleichzeitig stattfindende „RiderMan“ in Bad Dürrheim erhielt den Vorzug. Weiter unten dann – LOOK UCI Gran Fondo Dubai – Mitte Dezember. Das Feuer erwachte.

Dieses Jahr noch ein Rennen zu fahren war verlockend. Die erste Reaktion meiner Karin: Jetzt dreht er völlig durch. Aber mit der Aussicht, für eine Woche dem nahenden Winter zu entfliehen und in der Sonne zu verbringen, war sie leicht zu überreden. Gesagt, getan. Anmeldung abgeschickt, Flüge und Unterkunft gebucht.

DUBAI – keine Vorstellung was uns erwartet. Am 10. Dezember ging es mit einer A 380 der Emirates Airline von München los. Das Wochenprogramm war dank Karins Vorbereitung vollgepackt. Altstadt mit seinen Souks, Burj Khalifa, Burj al Arab, Jumeirah Palmeninsel, Mall of Emirates, Dubai Mall mit Aquarium, Dubai Fontain, Dubai Frame und und und.

Und dann noch die Metro. Silver, Gold, Blue Card, Red Ticket und je nachdem ob Standard oder Gold Class. Allein diese Varianten spiegeln die Möglichkeiten in Dubai wieder. Nach „Studium“ vor Ort stellte es sich aber schnell als unkomplizierte Möglichkeit heraus, die Stadt zu erkunden. Apropos unkompliziert. Wir haben noch nie so viele Menschen unterschiedlicher Religion, Aussehen oder Hautfarbe auf so einem kleinen Flecken Erde gesehen. Ein Schmelztiegel der Nationalitäten. Ein friedliches Nebeneinander, Kriminalität gegen Null!

Die Zeit verging rasend schnell. Donnerstag stand dann im Zeichen der Rennvorbereitung. Startunterlagen holen und auskundschaften, wie wir früh gegen 05.00 Uhr zum Start kommen. Denn mit dem Rad zu fahren in Dubai ist undenkbar bis lebensgefährlich. Die Anmeldung war identisch zu Deutschland. Hinfahren, Anmeldebestätigung vorzeigen, Kaution für TimeShip hinterlegen, Starterbeutel (Race Pack) schnappen, nach fünf Minuten fertig. Die meiste Sorge bereitete uns die Anreise Freitag früh zum Start. Wir studierten die Taxis. Nehmen die uns mit Fahrrad überhaupt mit, fahren denn welche so früh. Aber auch hier bestätigte sich die Ansicht der immer freundlichen, netten und hilfsbereiten Angestellten des Hotels – No Problem. Da uns das nicht so richtig beruhigen konnte, planten wir noch einen Zeitpuffer ein, um noch reagieren zu können, falls der Taxifahrer doch verschlafen sollte. Wir bestellten ein „Big Taxi“ für 04.00 Uhr. Das bedeutete 03.15 Uhr aufstehen. Etwas essen, wobei die Zeremonie nicht das war, wofür es normalerweise steht. Aber das weiß ja jeder selbst, optimale Rennvorbereitung sieht da anders aus. Zu unserem Erstaunen, 03.58 Uhr stand das Taxi da, Fahrrad rein, einsteigen los. Zwanzig Minuten später (Der Fahrer ist „aus Versehen“ an der richtigen Ausfahrt vorbei gefahren, was zu einem kleinen Umweg führte. Die wort- und gestenreiche Entschuldigung des Drivers war schon sehenswert) und zwei Stunden vor Startzeit standen wir, ich erleichtert, Karin in Anbetracht der unnötig verkürzten Nachtzeit weniger glücklich, am Eingang zum Autodrom. Ich verschwand zum „Einrollen“ in der Dunkelheit. Karin erkundete die Gegend und entdeckte eine „Grußwand“, zum Verfassen von Motivationsnachrichten für die Starter. Da konnte ja nichts mehr schief gehen.

Nach und nach trudelten die Teilnehmer ein. Darunter auch mein „Gegner“ vom GCC – Henry Schwarz, den hatte ich am Tag vorher schon auf der Startliste entdeckt. In geordneter Formation rollten wir in den Startblock. Hier gesellte sich dann noch Thorsten Lange (Totti) vom Team Drinkuth zu uns. Wir kennen ihn als den gestürzten und mit Hubschrauber abtransportierten Fahrer vom GCC- Rennen am Hockenheim Ring 2017. Es waren schon emotionale Momente sich mit ihm über seinen Kampf zurück ins Leben zu unterhalten. Totti, dir auch von dieser Stelle weiter alles Gute.

 Etwas verspätet, die Polizei hatte noch mit dem Straßensperrungen zu kämpfen, wurde das Rennen gegen halb sieben gestartet. Nachteil, uns war kalt vom Warten. Vorteil, ich konnte die „Frontbeleuchtung“ in die Trikottasche stecken, denn mittlerweile war es hell. Meine Taktik war einfach. Die Startnummern größer 600, als Zeichen für Senioren über 60, immer im Blick halten und versuchen in der ersten Gruppe zu bleiben. Der Blick in die Ergebnisse 2017 zeigte, falls dies gelingt, ist eine vordere Platzierung drin.

Wie wahrscheinlich überall auf der Welt, ging es schon auf den ersten Metern richtig los. Da galt es schon auf der kurvenreichen Autodrom-Strecke, trotz Führungsfahrzeug den Anschluss nicht zu verpassen. Nach zirka 3,5 km war das Rennen frei gegeben und die Hatz auf einer vierspurigen Autobahn begann. Da wurden auch gleich meine Erwartungen gedämpft. Im hinteren Teil der Gruppe musste ich mit ansehen, wie aus einem „10 m Loch“ schnell 200 m wurden. Die Spitze war weg. Jedoch „meinem“ Konkurrenten erging es genauso. Henry Schwarz und auch die anderen 600er waren in meiner Gruppe. Jedoch die Spitze unserer Gruppe legte los. Wir nahmen Fahrt auf und nach ein paar Kilometern waren wir wieder dran. Zum Glück hielt sich auch der Wind in Grenzen. Meine Befürchtung eventuell einer Windkante zum Opfer zu fallen trat nicht ein. Irgendwie wollten alle VORN fahren. Das Feld nutzte die volle Breite der Fahrbahn und so konnte ich, immer unter den ersten 20 – 50 platziert, meine Position halten. Die km verflogen. Für die Kulisse war jedoch keine Zeit. Immer wieder Attacken mit Fluchtversuchen und was extrem nervig war, Pendelbewegungen im Feld von rechter Seite nach links und umgekehrt. Und bei km 62  war es dann so weit. Auf gerader Strecke, ohne Ankündigung, mitten im Pulk, lagen ca. 10 bis 15 Mann auf dem Asphalt. Ich musste bis zum Stillstand abbremsen, raus aus den Pedalen und die Gestürzten „umschiffen“. Die ersten waren weg. Jetzt galt es alles zu geben, um nicht die Spitze zu verlieren.  Mit etwas Glück und guter Zusammenarbeit mit drei bis vier Mann waren wir nach gefühlten 3 km wieder dran. Ab jetzt bewegte sich die „Tacho-Nadel“ immer zwischen 45 und 50 km/h. Mit jedem km Richtung Ziel wurde das Feld hektischer und die Geschwindigkeit höher. Warum sollte es hier auch anders sein als in Deutschland. Durch die „You-Tube-Analyse“ auf der heimischen Couch wusste ich, dass eine der wenigen entscheidenden Rennsituationen die Einfahrt von der Hauptstraße ins Autodrom werden sollte. Ich startete einen Versuch nach vorn zu kommen. Ich hatte Glück. Durch einen kurzen Antritt und optimale Fahrt in den Kurven und Kreisel vor der Engstelle konnte ich ins vordere Viertel der immer noch mit ca. 100 Mann großen Gruppe kommen. Auf den finalen 2 km zog sich das Feld dann doch noch auseinander. In meiner Umgebung war jeder auf sich selbst gestellt. Von meinen 600er Kontrahenten war nur Henry Schwarz übrig geblieben. Mich an seinem Hinterrad zu orientieren ist voll aufgegangen. Ich konnte einige Fahrer, auch Henry überholen. Da es auf der Zielgerade für mich leider ungünstig stetig leicht bergan ging, war mein Vorsprung bald aufgebraucht. Ich konnte Henrys Antritt nicht folgen und rollte 2 Sekunden hinter ihm über die Ziellinie. Ich war mehr als zufrieden.

Zweiter Platz AK 60-64 Stundendurchschnitt von 45 km/h.

An der Stelle einen besonderen Dank an meine Karin. Am Ende zwar etwas enttäuscht nicht selbst mit gefahren zu sein, aber als moralische, sprachliche und fotographische Unterstützung unersetzlich. Danke

Ein Super- Rennen war zu Ende. Der Jahresabschluss geglückt. Viele Eindrücke gesammelt und auch die Erkenntnis gewonnen, es gibt einige „Verrückte“ in der Radsportfamilie. Das macht Lust auf mehr.

Zu Hause dann noch der „ABSOLUTE“ Motivationsschub für die neue Saison. Bestätigungsmail des Veranstalters. Qualifikation für die UCI- Grand Fondo World Series am 08.09.2019 in Poznan. – WOW geschafft.

Allen ein Frohes Weihnachtsfest und Guten Rutsch ins Jahr 2019. Nicht vergessen, nach der Saison ist vor der Saison.

Kette rechts

 Willi und Karin

PS.: Totti, falls du den Bericht liest. Ich habe meinen Teil unserer Vereinbarung erbracht. Wir sehen uns in Poznan.  Alles Gute

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