Garmin Velothon Berlin 31. Mai 2015

ŠKODA VELODOM – 14. Juni 2015

9. Juni 2015 Comments (1) Berichte

Note 6, aber zufrieden

Gleich zu Anfang sei gesagt, die Überschrift gilt nur für mich. Wie es dem Rest des Sebamed Racing Teams in Schleiz erging, lest ihr unten.

Die Note 6 entlehne ich aus Tyler Hamiltons Buch, in dem er von den Rennen im Rennen schreibt und davon, dass die Ankunft in der ersten Gruppe einer 1 entspricht, in der zweiten Gruppe einer 2 und so weiter. Da es nicht mehr als 6 Schulnoten gibt, gebe ich mir die 6, wohl wissend, dass meine Gruppe wahrscheinlich eher noch weiter hinten war. Da es aber mein erstes Rennen war, noch dazu nach einer langen Auszeit, bin ich trotzdem zufrieden.

Aber der Reihe nach: Sonntag, 7. Juni, Schleiz steht auf dem GCC-Plan. Für viele eine der schönsten Strecken in der Serie. Das Sebamed Racing Team ist mit 14 FahrerInnen angereist, außerdem ist meine bessere Hälfte Alexandra dabei. Die Drei Foto (Arne, Alex und Willi)

Mit unserer großen Gruppe belegen wir bereits Samstags ein Hotel in der Nähe des Starts. Welches wird nicht verraten, weil wir es auch nächstes Jahr für uns haben wollen.

Wie angekündigt regnet es nachts, die letzten Schauer fallen bis in die frühen Morgenstunden.

Zwölf von uns stehen um 9:00 am Start der 130 Km Strecke (die in Wahrheit ein bisschen kürzer ist). Susi und Ronald vertreten das Sebamed Racing Team auf der 88 Km Runde, die 15 Minuten später startet.

Unsere stärksten Fahrer haben sich eine Taktik zurechtgelegt, die heißt: ganz vorne stehen und sofort alles geben.

Los geht's

Klingt wie Kamikaze, muss aber sein, wenn man hier in der ersten Gruppe bleiben will. Die ersten Kilometer führen über das „Schleizer Dreieck“, eigentlich eine Autorennstrecke. Traditionell werden auf diese vielleicht 4 Kilometern bereits die ersten Löcher gerissen. Wie geplant stellen sich Aaron, Arne, Eddy, Frederic, Matthias, Marco und Klaus links direkt an die Startlinie. Wir anderen verteilen uns im Rest des Starterfeldes. Sofort nach Startschuss legt „Dampfwalze“ Klaus los, haut alles rein, um in der ersten scharfen Rechtskurve ganz vorne zu sein. Das klappt, die anderen bleiben auch wie geplant am Hinterrad.

Unsere Matadore fahren als erste in diese Kurve, Klaus drischt weiter drauf, einige Hundert Meter später geht es in die Gegengerade, eine circa 1,5 Kilometer lange Steigung. Nicht steil, aber in dem Tempo, in dem nun gefahren wird, doch schon ein Scharfrichter. Während Merkur Druck, Bürstner und Strassacker nun ein gnadenloses Tempo anschlagen, sacken unsere Führungsfahrer wie geplant ein bisschen ab, sind aber in die erste Gruppe, als es nach der Rennstrecke in einer scharfen Linkskurve in einen kleinen Ort geht.

Strecke (Streckenbild von der Veranstalterhomepage entnommen)

Während dessen fahren wir anderen unsere jeweils eigenen Rennen. Willi und Gary sehe ich an mir vorbei fahren, Peter weiß ich irgendwo in der Nähe. Wir biegen in den Ort ein, in den wenige Sekunden zuvor die Führungsgruppe abgebogen ist. Am Ende des Ortes geht es links in einen Wirtschaftsweg, eine kleine Kuppe hoch auf löchrigem, rissigen Teer. In der Auffahrt fährt Kathrin neben mich. Sie sieht stark aus, das Tempo scheint ihr nichts auszumachen. Kleinere Lücken öffnen sich und werden geschlossen. Nach der Hügelkuppe folgt am Ende einer kurzen Abfahrt eine weitere scharfe Linkskurve. Noch leicht nass und rutschig fahre ich sie wie auf rohen Eiern. Von dieser Kurve wird später noch die Rede sein.

Hinter mir sind Gary und Peter, Willi und auch Kathrin habe ich aus den Augen verloren. Willi ist, wie ich später erfahre, bereits weiter vorn. Nun geht es in Schleiz-typischer Manier rechts, links, hoch, runter, durch Wald und Wiesen, über teils stark zerrüttete Wege und kleine Sträßchen. Auf diesem Teil der Strecke setzt sich eine Gruppe nach vorne ab, in die Gary springt, Willi ist schon dort. Peter und ich schaffen das nicht und müssen mit unseren bisherigen Begleitern vorlieb nehmen. Besonders im Wald sind die Wege häufig nass und glitschig. Trotzdem sehe ich keinen Sturz. Allerdings fahren alle vor mir irgendwie schneller durch Kurven, haben mehr Vertrauen in Untergrund und Reifen. Naja, die Mini-Rückstände nach den Kurven machen nichts, Hauptsache, auf dem Rad bleiben, denke ich. Nach einigen Kilometern auf diese Art geht es auf eine große Bundesstraße, nach rechts in den ersten längeren Anstieg.

Kurz vorher ist hier schon die Spitzengruppe hochgedonnert. Unsere starken Jungs sind nach dem fulminanten Gelingen der vereinbarten Taktik im hinteren Drittel dieser Gruppe in den Anstieg eingebogen. Aaron nutzt die breite Straße, um die anderen nach vorne zu führen. Am Ende des Hügels übernimmt das Sebamed Racing Team durch Aarons Kraftakt die Spitze des Feldes. Wie am Vorabend besprochen zeigt sich nun, was man gemeinsam schaffen kann. Alle zusammen arbeiten im Wind führen das Feld an. Bürstner registriert, dass das ein geplantes, rennmäßiges Verhalten ist und bietet Kooperation an. So macht Rennfahren Spaß!

Peter und auch Kathrin sind zu dieser Zeit in meiner Nähe, gemeinsam mit ihnen fahre ich denselben Anstieg etwas später hoch. Willi und Gary sehen wir nicht mehr, aber eine kleine Gruppe 100 Meter vor uns. Die erreichen wir auch und hängen dabei unbeabsichtigt einige andere ab.

Bei den wenigen Startern in Schleiz fängt kurz nach uns bereits der Bereich an, in dem sich nur noch kleine bis kleinste Verbünde finden, manche schon jetzt zu Zweit oder gar alleine fahren. In einer solchen Lage ist nun auch Silke. Sie fährt den Anstieg mit zwei anderen hoch. Erst in der zweiten Runde wird sich ein vierter Fahrer hinzu gesellen.

Vorne wird inzwischen ein horrendes Tempo aufgezogen. Strassacker, Bürstner und Merkur versuchen sich gegenseitig aus den Schuhen zu fahren, aber unsere Jungs bleiben dabei. Klaus muss allerdings dann der starken Tempoarbeit, die er bis dahin verrichtet hat, Tribut zollen und lässt sich aus der Gruppe fallen. Einige Zeit später folgt ihm Eddy und auch Arne. Alle drei haben vorher unermüdlich gearbeitet.

Da folgt eine Attacke, an der von den drei GCC-Führungsteams jeweils ein Fahrer beteiligt ist. Sofort nehmen deren Teamkameraden die Beine hoch und verschleppen das Tempo des Feldes. Matthias ruft zu Aaron „fahr mich vor“, womit er eine vordere Position im Peloton meint, von der Attacke an der Spitze hatte er gar nichts mitbekommen. Aaron missversteht ihn jedoch und denkt, er soll die Ausreißer wieder einfahren. So spannt er sich vors Feld, einige Rose Münsterland Fahrer nehmen den Ball auf und sie stellen die Ausreißer in einem Kraftakt. Das war natürlich ein taktischer Fehler, denn ein beruhigtes Feld hätte sicher auch unseren Ambitionen genutzt. Aber so kann es gehen.

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Bei unserem AK-Podiumsaspirant Matthias sind jetzt also noch Aaron, Frédéric und Marco. Eric ist auch in der Gruppe, er hatte sich am Start weiter hinten platziert und deshalb nie Kontakt zum Rest der Sebamed Fahrer. Auf der technisch anspruchsvollen Strecke und bei Höchsttempo kann man nicht mal eben zu einem anderen hinfahren.

Gerade jetzt, als sich die Gruppe um Matthias nach der eben verrichteten Arbeit in der Mitte des Feldes etwas ausruhen will, wird vorne von einer ganzen Gruppe das Tempo noch mal forciert. Scheinbar hat man vorne bemerkt, dass Daniel Knyss nicht seinen besten Tag hat. Aaron fährt hinter Daniel und verlässt sich darauf, dass bestimmt gleich seine Helfer kommen um die bereits entstandene Lücke zu den rund 30 Fahrern nach vorne zu schließen. Aber keiner kommt und als er Daniel ins Gesicht sieht, weiß er, dass dieser heute keinen guten Tag hat. Also nehmen Aaron, Frédéric und Marco Matthias an´s Hinterrad und fahren ihn nach vorne in die nun neu entstandene Spitze. Allerdings hat das für Aaron zur Folge, dass er kurz darauf in dem steilen Waldstück vor dem Ziel reißen lassen muss und wieder ins Verfolgerfeld zurück fällt.

Willi und Gary fahren weiter in der Gruppe, in der sie seit Anfang des Rennens sind. Dort läuft es gut, mit Dirk Zebralla und Andreas Lentfort sind alte Bekannte dabei. Willi macht ein starkes Rennen. So, wie er jedes Jahr noch Leistung zulegt, weiß ich gar nicht, wo das noch hingehen soll. Gary fährt in den Abfahrten aufgrund der gefährlichen Straßenverhältnisse oft etwas zu vorsichtig, muss deshalb oft Lücken schließen. Das geht zunehmend auf die Körner. In Runde zwei fängt er deshalb an zu leiden. Irgendwo dahinter sind Peter und ich. Unsere Gruppe läuft zwar auch gut, die Fahrer weisen jedoch deutliche Leistungsunterschiede auf. Wir versuchen eine Weile zu kreiseln, was auch die meisten mitmachen. Das führt allerdings leider dazu, dass die Hälfte der Fahrer die weiße Fahne hisst und herausfällt. Von vorher ca. 12-15 Mann sind wir Mitte der zweiten Runde auf nun nur noch 5 Fahrer geschrumpft.

Aus Silkes Trio ist inzwischen ein Quartett geworden. Mitte der zweiten Runde wird sie von Ronalds schnellem 88 Km Feld überholt und es fallen drei Langstreckler von dort in ihre Gruppe, so dass sie dann schon 7 sind. Allerdings macht bis ins Ziel nur einer das Tempo, und das macht er gut: ein Dank von Silke an Bodo Steffens vom Team Wiesenhof Allstars 1.

Kathrin befindet sich zwischen Silke und mir. Sie hat gegen Ende der zweiten Runde ihr Grüppchen verloren. Danach fährt sie lange allein, dann findet sich ein Mitstreiter, mit dem sie sich bis ins Ziel die Arbeit teilt.

Ganz vorne hat sich inzwischen auch Frédéric verabschiedet und sich in eine Verfolgergruppe zu Eric gesellt. Marco und Matthias sind nun unsere letzten Trümpfe an der Spitze. Nach wie vor wird dort ein Ausscheidungsfahren veranstaltet, kein Anzeichen von Beruhigung.

Aaron, der seiner geleisteten Teamwork Ende der ersten Runde Tribut zollte, hat sich schnell erholt und führt die Verfolgergruppe kurz nach Beginn der zweiten Runde über den kleinen Hügel in die Abfahrt Richtung der scharfen Linkskurve. Bei Zieldurchfahrt hatten sie 30 Sekunden zur Spitze angesagt, deshalb will er versuchen, vielleicht doch noch mal anzuschließen. In der Kurve passiert es – sein Vorderrad rutscht weg, er stürzt schwer. Wie es genau dazu kam, ist ihm im Nachhinein schleierhaft, er wähnte sich sicher. Aber nun ist das Rennen für ihn vorbei, einiges an Tapete ab, Blessuren verschiedenster Art und Materialschaden zwingen ihn zum Abbruch. Bitter für ihn und auch für das Sebamed Racing Team, da nun einer unserer stärksten Fahrer auch für Köln ausfällt. Zum Glück unterstützt uns hibike (www.hibike.de) mit allem, was man am und um das Fahrrad brauchen kann, da wird Aaron wenigstens den Materialschaden schneller verschmerzen?!

Die Positionen der Sebamed FahrerInnen bleiben nun stabil, zumindest bis Ende der zweiten Runde. Im letzten Anstieg vor dem Ziel, auf dem Waldweg, der von der Bundesstraße abzweigt, muss nun auch Marco Abschied nehmen. Eine kleine Unaufmerksamkeit, eine schlechte Position und auch die nun schwerer und schwerer werdenden Beine zwingen ihn, Matthias allein vorne zu lassen.

Matthias versucht alles, der Arbeit seiner Teamkollegen gerecht zu werden. Trotzdem muss auch er auf der dritten Runde, rund 10 Kilometer vor dem Ziel, reißen lassen. Er fährt alleine zu Ende und kommt auf einen hervorragenden 39. Rang. Nach ihm, in einer Gruppe mit Daniel Knyss, fährt Marco als zweiter des Sebamed Racing Teams ein. In der nächsten größeren Gruppe komplettieren dann Frédéric und Eric das Ergebnis für Team 1, kurz vor Arne, der ein starkes Rennen fährt.

Klaus setzt sich aus der nächsten Gruppe vor dem Ziel noch mal ab (er kann einfach nicht anders) und fährt so noch einen Vorsprung heraus, der wertvolle Platzierungen für Team 2 sichert. Eddy kommt mit der Gruppe ins Ziel, aus der Klaus attackiert hat. Dann folgen Willi und Gary, der sich in der dritten Runde wieder erholt hat. Danach Peter und ich, dann Kathrin und schließlich Silke.

Bereits vor uns im Ziel ist Ronald, der es schafft, in der zweiten Gruppe die 88 Kilometer Runde zu beenden. Leider ist seine beherzte Attacke rund 2 Kilometer vor dem Ziel nicht von Erfolg gekrönt, er wird noch eingerollt. Aber trotzdem springt ein beachtlicher 38. Platz in der Gesamtwertung heraus. Susi, als zweite Starterin auf der Mitteldistanz, ist zwar nicht ganz so schnell wie unsere schnellsten Langstreckler, aber immer noch deutlich schneller als ich im Ziel. Sie fährt fast die ganze Strecke allein, was für sich genommen schon eine herausragende Leistung ist.

Bis auf Aarons Sturz nehmen wir viele gute Ergebnisse und Erlebnisse aus Schleiz mit. Unsere Hauptziele sind alle weiter realistisch: Top Ten Teamwertung Gesamt, AK Podium Masters 2 Männer und Frauen, evtl. Top 20 Männer Gesamt.

Und die Mannschaftsleistung von Aaron, Arne, Eddy, Frederic, Matthias, Marco und Klaus freut mich ganz besonders!

So kann es in Köln weiter gehen.

(Autor: Sven Schiefer)

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Die Zwei

Sven und F

Treppchen

One Response to Note 6, aber zufrieden

  1. Eric sagt:

    In der völlig begeisterungsfähigen Art des Sven geschrieben. Den Kontakt zur Spitze habe ich übrigens verloren, weil mein am neuen Rad frisch montierter Sattel in der Ortsdurchfahrt zu Beginn nach vorne wegnickte. Hatte das Problem eben im Training wieder.

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