Note 6, aber zufrieden

Kassel Calden – Marco Lenck hebt ab

17. Juni 2015 Comments (0) Berichte

ŠKODA VELODOM – 14. Juni 2015

Köln hat in der Regel viel zu bieten. Kultur, Chaos, Konzerte , Klüngel, Karneval, kurz gesagt: diverse Veranstaltungen jeglicher Art. Tradition schreibt sich die Stadt in NRW auch sportlich auf die Fahne. Neben dem 1. FC Köln der 1948 entstand, beweist die Radveranstaltung „Rund um Köln“ mit ihrer inzwischen 99sten Auflage – jedoch mit Sponsor bezogener Namensveränderung – organisatorisches Durchhaltevermögen. Jahre lang galt der Ostermontag als gesetzter Termin. Für viele unvergesslich das Jahr 2008, als auch Peter und ich von meiner damaligen Mietwohnung in der Nähe des Barbarossa Platzes nach Leverkusen zum Start geradelt sind und während dessen die Schneedecke immer dichter wurde, was schlussendlich mein Ritzelpaket vereisen ließ. Abgesehen von der Tatsache, dass das Rennen damals (dem extremen Wetter geschuldet) selbst für die Profisportler abgesagt werden musste, fand ich den Termin an Ostermontag immer reizvoll.

Zum diesjährigen Skoda Velodom Jedermann Radrennen, Bestandteil der GCC Serie, finden wir uns am 14. Juni bei feinstem Sonnenschein und Temperaturen im zweistelligen Bereich am Rheinauhafen ein. Mit Gary, Peter, Willi, Klaus, Matti, Arne, Frédéric, Sven, Marco, Eric, Tobias, Kathrin, Eddy, Susanne und mir sind wir auf der 124 km Strecke gut vertreten, während Joachim, Susi und Julia um 11:00 Uhr auf die 67 km Runde geschickt werden.

Team

09:30 Uhr es geht los, neben den Jedermännern gesellt sich als geladener Gast der Radprofi André Greipel, u.a. diesjähriger Giro d`Italia Etappensieger, ins Teilnehmerfeld und fährt heute zum Spaß mit. Sicherlich für ihn ein schönes Training auf abgesperrtem Terrain. Sieht man sich zum Beispiel die Vita des späteren Siegers, Ronny Freiesleben (Jg 1987, beachtliche Leistungen speziell im Bahnradsport ) aus Leipzig an, dann sieht man: auch im Jedermannbereich wird  das Hobby Radfahren akribisch betrieben.

Kaum losgefahren stoppe ich zwangsläufig vor dem Rheinufertunnel mit einem Großteil des Fahrerfeldes, es hat gekracht. Und ja, etwa 15 Meter nach Tunneleinfahrt sehe ich einen gestürzten Fahrer vom Team Bürstner. Jetzt heißt es wieder einordnen und weiter fahren. Es geht zunächst nach Köln-Mühlheim, Höhenhaus, Dünnwald und weiter nach Odenthal. Anfänglich sehe ich aus unserem Sebamed Racing Team noch Peter sowie Eddy und Kathrin.

Eddy

kathrin

Bereits nach gut 20 km weiß ich, dass meine Beine nicht die frischesten sind und ich an den noch folgenden Anstiegen in Richtung Spitze und vor dem Schloßanstieg in Bensberg, der bei ca. km 44 und das zweite Mal bei km 100 zu passieren ist, klemmen muss.  Auf der Anhöhe im Bergischen selbst muss ich sowieso mein Tempo fahren, habe aber immer Mitstreiter im Sichtfeld. Die kurzweilige Kopfsteinpflasterpassage in Bensberg bietet sowohl beim ersten als auch beim zweiten Hinauffahren genug Platz, was nicht selbstverständlich an diesem Streckenabschnitt ist. An den  Anstiegen dieser Strecke stehen bei dem schönem Wetter viele Zuschauer, die uns Teilnehmer anfeuern und sicher auch leiden sehen wollen.

Nach dem ich das zweite Mal Schloß Bensberg hoch und dann rechts, links um die Kurve fahre sehe ich Peter am Straßenrand stehen. Erst denke ich, er hat einen Platten am Fahrrad und steht deshalb da, als ich grüßend weiter fahre schwingt sich Peter auf seinen Hobel und klinkt sich wieder ins Renngeschehen ein. Irgendwie scheint es nicht sein Tag zu sein, aber mehr vom Kopf her, wenngleich auch seine Beine heute nicht die Besten sind.

Jetzt kommt der Teil der mir immer am meisten Spaß macht bei diesem Rennen, so man denn an dem Punkt eine Gruppe hat, die für die letzten 24 Kilometer noch motiviert ist. Jedoch sind wir nur noch ein kleines Grüppchen von 5 Leuten, die schließlich in Köln-Rath noch einige Versprengte auffahren und spätestens in Köln-Kalk effektiv nur noch zu Zweit sind. Peter spannt sich noch mal vor mein Vorderrad, wir wechseln und wollen wenigstens noch ein paar Kurzstreckler hinter uns lassen.

Peter und Silke

Jetzt nur noch der Abzweig der Severinsbrücke, die letzten Kurven, noch einmal rechts auf die lange Zielgerade und damit sind auch Peter und ich im Ziel.

Aber wie ergeht es Matthias auf der Strecke? Sollte die in Schleiz erstmalig angedachte Teamarbeit unserer starken Fahrer auch im Kölner Umland funktionieren? Im Ansatz schon, denn Arne, Frédéric und Marco bringen Matti bestens durchs Feld. Im ersten harten Anstieg sind Matthias und Arne jedoch zu weit hinten, aber Matti kann Dank Marcos Hilfe wieder den Anschluss zur Spitze herstellen. Immer wieder guckt sich Marco um und vergewissert sich, dass Matti noch da ist.

Matti und Marco

Arne kann den Kontakt zur Spitze bis km 35 halten, doch dann verliert leider jemand seine Radflasche in der Abfahrt bei 60km/h, die Arne vor das Vorderrad rollt. Arne fährt über die Flasche, ist froh nicht zu stürzen, aber sein Rad macht jetzt eigenartige Geräusche. Er entschließt sich zu halten und zu gucken was lost ist.

Arne

Gefühlt ziehen in der Zeit Felder an ihm vorbei. Einen Platten hat er nicht, aber der Mantel hat sich verschoben. Arne lässt die Luft raus und pumpt neu auf, das kostet wertvolle Zeit, ca. 5 Minuten. Alleine geht die Aufholjagd weiter, erst schließt er zu Svens Gruppe auf, nach kurzer Unterhaltung geht’s weiter zur nächsten Gruppe, in der sich gerade Willi befindet. Auch diese Gruppe nimmt Arne als Durchgangsstation bis bei ihm bei km 100 dann die Luft raus ist und er schließlich mit seiner final erreichten Gruppe ins Ziel fährt.

Bei Matthias und Marco stößt Frédéric dazu, aber leider kann auch er es nicht verhindern, dass Matthias doch abreißen lassen muss. Das Bergische Land kostet durch zahlreiche kleinere und auch giftige Spitzen Matthias erhebliche Körner. Nach der Zusammenführung mit der Kurzstrecke bei Kilometer 91 fahren Marco, Frédéric und Matti gemeinsam Richtung Köln. Alle völlig im Eimer, Marco als sensationeller Helfer und Matti am Limit. Mattis Fazit: „Geiles Rennen! Marco Du bist mein Held für dieses Rennen gewesen. Großes Leiden, aber die Schinderei hat sich für mich gelohnt, sensationell. Ich bin jetzt 16ter in der Masters 2, trotz eines fehlenden Rennens.“

Marco

Frédéric bereut es, sich nicht genug eingefahren zu haben und die Standzeit im Startblock verbracht zu haben.

Willi und Frédéric

Da half auch Matthias Kommentar nicht „Das machst Du auf den ersten Kilometern bei lockeren 200 Watt“. Auch Frédéric muss wie viele Fahrer die vorne sind, dem Sturz im Tunnel ausweichen und die entstandene Lücke mit zwei Jungs von Strassacker zufahren. Sein Tacho zeigt bis zu 800 Watt, Frédéric ist auf Anschlag. Er denkt sich soviel zum Thema Einrollen. Aber die nächsten Kilometer laufen Kraft sparend im Windschatten mitrollend. Im ersten Anstieg muss sich Frédéric ganz schön quälen, die Muskulatur ist noch nicht richtig warm, zum Glück ergeht es anderen genau so und so kann er gemeinsam mit denen wieder den Anschluss zur Spitze schaffen. Auch am zweiten Anstieg geht das so. Dort kommt ihm zugute, dass er sich an die Helfer von Stefan Räth ran hängt, was aber auch voll auf Anschlag für ihn ist. Bei der nächsten Rampe jedoch teilt sich das Feld und vorne bildet sich eine ca. 40 köpfige Spitzengruppe. Marco, Matthias und Frédéric sind in der zweiten Gruppe dahinter und beenden wie gesagt das Rennen gemeinsam.

Beim Team internen „AK-Fight“ zwischen Gary, Peter und Willi hat Gary heute die Nase vorn. Gary ist froh, den ersten Anstieg noch unversehrt in der Spitzengruppe zu erreichen. Ganz zufrieden fährt er in einer gut laufenden Gruppe bis zur Zusammenführung mit der Kurzstrecke. Leider wurde damit seine Gruppe heterogen und gesprengt. Bis Schloß Bensberg hoch war bei Gary Stau, aber die abschließenden Kilometer nach Köln haben Gary motiviert und er hat die Kraft vorne zu fahren und geht damit einem Sturzrisiko aus dem Weg.

Gary

Sven hat zum Anfang noch gute Beine und haut ganz schön rein, merkt aber dann, dass das auf Dauer nach hinten los geht bzw. gehen kann und nimmt etwas raus. Er lässt sich zu Willi zurück fallen. Es wächst stetig eine Gruppe um die beiden herum, die ihnen schließlich wie ein Gefolge von anfänglich 5 Fahrern bis zu ca. 60 Fahrern folgt. Auch diese Situation macht ihm und Willi sichtlich Spaß!

Sven II

Susanne geht heute mit einem lädierten Oberschenkel ins Rennen, Dank Julias physiotherapeutisches Eingreifen ist ein Start möglich, aber das hohe Anfangstempo kann Susanne nicht mitgehen. Sie ist froh, dass der erste Anstieg kommt und sich alles etwas sammelt. Trotz Schwierigkeiten beim Flüssigkeitshaushalt kommt sie zwar mit trocknem Mund, aber auch mit einer AK-Leistung ins Ziel.

Susanne Braun

Unser Sebamed Racing Team sitzt anschließend noch ein wenig im Café des Deutschen Sport & Olympia Museum mit Blick auf den Rhein. Mmh, sind wir schon reif für’s Museum? Wohl kaum!

Eric

Bis zum Nürburgring ist jetzt etwas Luft und jeder kann für sich trainieren.

Bis bald und „mir losse de DOM in Kölle…“

Susi 64 km Susanne B. Sven und Eric Zum Ziel Willi Julia Frédéric Klaus Eric kurz vorm Ziel

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