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14. Mai 2019 Comments (0) Berichte

Circuit Cycling Nürburgring

Das zweite Rennen des German Cycling Cup in 2019 ist vom superflachen Hockenheimring in die Eifel umgezogen, auf den legendären Nürburgring . Zwar wird der „Grand Prix Kurs“ genutzt, also nicht die Schleife, die bei Rad am Ring gefahren und durch den Namen „Grüne Hölle“ treffend beschrieben wird. Gleichwohl sind für die 100 Km Strecke 2.100 Höhenmeter ausgeschrieben. Das bedeutet für das Sebamed Racing Team, das eher für flache Kurse aufgestellt ist, aus vier im Rennkalender rot angestrichenen Rennen (Hockenheim, Leipzig, Dresden, Münster) werden drei. Heute heißt es deshalb zu aller erst, so gut wie möglich aus der Affäre ziehen.

Das Wetter vor Ort ist noch eine Stunde vor dem Rennen fast schon katastrophal: es regnet wie aus Eimern, Wind mit starken Böen, kalte 7 Grad. Rechtzeitig eine dreiviertel Stunde vor Beginn klart es auf, der Regen hört auf. Am Start stehen 13 Starterinnen in den Sebamed Farben. 12 davon fahren auf der langen Distanz. Bereits Nachmittags wurde die Strecke wegen der Wettervorhersage auf 75 Km verkürzt. Bei einer planmäßigen Startzeit um 18:02 musste man sich sowieso fragen, wie die langsameren FahrerInnen die ursprünglich 100 Km bei ausreichendem Licht bewältigen sollten. Aber diese Fragen sind jetzt obsolet, pünktlich knallt die Startpistole für die rund 180 angetretenen FahrerInnen.

Der Kurs ist noch nass, die Kurven teils schnell und mit Außenneigung, zusätzlich durch Gummiabrieb der hier gewöhnlich fahrenden Rennboliden glitschig. Entsprechend fliegt auch gleich ein Fahrer in einer Anfangskurve raus. Ob es dieser Eindruck ist oder die geringer Teilnehmerzahl sowie die schnell kleiner werdenden Gruppen: es sollte der erste und letzte Unfall werden, und das ist im Radrennsport wirklich selten.

Von Anfang an ist das Rennen von vielen Einzelattacken geprägt. Der dadurch entstehende stetige Rhythmuswechsel wird durch den Kurs selbst noch verstärkt: vor einigen der Kurven ist, auch aufgrund der Nässe, Bremsen angesagt, woraufhin dann wieder voll reingetreten werden muss. Unser in der Gesamtwertung Bestplatzierter, Andriy, hat anfangs seine Probleme mit dem nassen Kurs, fährt weit hinten, muss so viel investieren, um immer wieder Anschluss zu behalten. Außerdem halten sich noch Jonas, Jona, Hannes, Christian und Alex vorne in der Führungsgruppe, die bereits am Ende der ersten Runde auf kaum 60 Fahrer reduziert ist.

In jeder weiteren Runde erodiert die Spitze mehr. Zusehends auch um die Fahrer des Sebamed Racing Teams. Bereits Runde drei verliert Jonas als erster Spitzenfahrer die Gruppe vorne. Bei ihm ist nach seinem mehrmonatigen Auslandsaufenthalt über Winter die heute gefragte „Rennhärte“ noch nicht ausreichend vorhanden, also die Fähigkeit, immer wieder in die Leistungsspitzen, ins Laktat zu gehen. Bereits eine Runde später muss Christian passen. Er hat, wie bereits in Göttingen, seine gesundheitlichen Probleme noch nicht überwunden und muss heute ganz aussteigen. Weitere zwei Runden darauf, nun in der 6.en, ruft Jona verzweifelt „Platten“ und braucht ein Ersatzlaufrad. Das bekommt er in der Folgerunde, aber da ist sein Schlauch schon vollkommen leer. Er eiert auf der Felge dem Feld hinterher, hat aber erst rund 45 Sekunden Rückstand, die durch den Laufradwechsel auf knapp zwei Minuten anwachsen – uneinholbar. Genau in dem Moment, in dem er wieder auf die Strecke fährt, kommt die erste Verfolgergruppe, in der er im weiteren Verlauf alles gibt, wenn auch vergeblich, um doch noch wieder den Anschluss nach vorne herzustellen.

Kurz darauf ist auch für Alex vorne Schluss. Unter anderen Umständen wäre das sein Kurs, aber eine mehrwöchige Krankheit reduzierte sein Training im Januar und Februar auf nahe Null. Entsprechend ist sein Formaufbau noch nicht so weit. Während er noch in Sichtweite des Führungsfeldes auf das Ende der 8. Runde zusteuert sieht er, wie vorne Hannes aus der Spitze fällt. Der Kurs und die Intensität, mit der das Rennen gefahren wird, fordern auch von ihm Tribut. Allerdings kämpft er sich mit zwei anderen noch mal zurück nach vorne. Nur, um im Laufe der nächsten Runde doch wieder rauszufallen. Umso bemerkenswerter, dass er, zumeist als Einzelkämpfer, kaum Boden nach vorne verliert. In den verbleibenden gut 25 Kilometern hält er seinen Rückstand mit etwas mehr als 7 Minuten in Grenzen und fährt so den 3. Platz in der Teamwertung ein.

Vorne sind zu diesem Zeitpunkt noch Volker und Andriy vertreten. Die inzwischen auf rund 35 Fahrer geschmolzene Führungsgruppe sieht sich einem Soloangriff von Nazir Jaser, einer Neuverpflichtung des Teams Paintrain, ausgesetzt. Während das Tempo verschärft wird, um diese Attacke zu neutralisieren, verlassen auch Volker die Kräfte. Zusammen mit zwei Leidensgenossen fährt er als zweitbester Sebamed Fahrer mit rund 5 Minuten Rückstand ins Ziel.

In Runde 12 von 15 wird Nazir Jaser eingeholt, nur damit gleich darauf Anthony Spysschaert vom Team Deutsche Kinderkrebsstiftung sein Heil in der Flucht sucht. Eine nachvollziehbare Taktik, er ist kein Sprinter aber ein starker Rouleur.  Ihm schließt sich Daniel Westmattelmann vom Leeze Team an und die beiden fahren schnell rund 30 Sekunden raus. Wieder ist es nur Nazir Jaser der versucht, zu den beiden aufzuschließen. Mit ihm geht ein Aufpasser vom Team Leeze, der aber natürlich nicht mit arbeitet. Nazir gelingt es aber alleine nicht, nach vorne zu aufzuschließen. Im Hauptfeld hat keiner mehr Interesse oder Energie, die Lücken zu schließen. Am Ende gewinnt der noch letztjährige Profi des Lotto Kernhaus Teams Westmattelmann vor Anthony Spysschaert und Nazir Jaser.

Für unser Team geht es nun darum, welche Position Andriy nach diesem kräftezehrenden Rennen erreicht. Er entscheidet sich für das Hinterrad von Hanno Rieping, dem GCC-Gesamtsieger 2017. Im festen Glauben, dass Hanno im Sprint des Feldes vorne reinfahren wird ist Andriy reichlich überrascht, als dieser lange vor der Ziellinie, scheinbar entkräftet, die Beine hochnimmt. Auch das ein Zeichen für die Intensität der zurückliegenden Runden. Andriy selbst, auch gezeichnet, hin und hergerissen zwischen dem Wunsch nach Ausruhen und der Notwendigkeit eines vorderen Platzes, fährt einen halbseidenen Sprint und immerhin noch auf Gesamtrang 11. Das hält ihn in der Gesamtwertung des German Cycling Cup in den Top ten und sichert den besten Platz fürs Teamergebnis.

Andriy, Volker, Hannes und Joans halten mit dem Platz 8 fürs Team den Schaden noch eben in Grenzen. Jona und Alex fahren knapp darauf ins Ziel. Außerdem erringen sowohl Gerhard (1.), Silke (2.) als auch Hannes (3.) Altersklassepodien. Somit wird die Reise zum Nürburgring unter dem Strich doch noch mit recht ordentlichen Ergebnissen belohnt.

 

 

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