Schleizer Dreieck Jedermann

Interview mit Yvonne zum 24h Stunden Sieg in Kelheim

17. Juli 2019 Comments (0) Berichte

24 Stunden von Kelheim

In Kelheim versuchen zwei vom Sebamed Racing Team mal etwas außergewöhnliches: als Einzelstarter in 24 Stunden so viel wie möglich Kilometer abzuspulen. Das gelingt hervorragend! Yvonne, die ihre Langstreckenqualitäten schon öfter bewiesen hat, gewinnt gar die Frauenwertung und reißt dabei 660 Km (!!) ab! Ein Riesending! Jonas fährt ebenfalls super, wird aber von der Defekt-Hexe etwas aus der Spur gebracht. Kaum erholt hat er seine Eindrücke niedergeschrieben, die ihr nachfolgend lesen könnt:

>> Nun war es also soweit. Startaufstellung zu meinem ersten 24h-Rennen in der Klasse der Bekloppten (Einzelfahrer). Ich muss sagen, ich war in letzter Zeit selten vor einem Radrennen so aufgeregt…

Ein kurzer Rückblick: Ende Mai hatte ich mich dazu entschieden mir eine ganz neue Herausforderung zu suchen. Beine und Kopf waren einfach nicht auf die üblichen GCC Rennen eingestellt – lange, gleichmäßige Belastungen hingegen gingen sehr gut. Und eine 24h-Rennen stand schon immer mal auf meiner Bucket List, wieso also nicht dieses Jahr in Kelheim fahren?

Meine Strategie für das Rennen sah vor, anfangs schnell los zu fahren und mich somit in der flachen zweiten Hälfte der Runde an schnelle Staffelgruppen dranhängen zu können. Das gelang mir auch zunächst sehr gut, allerdings hielten die Gruppen nur jeweils eine Runde bis zum Wechsel der Staffelfahrer. Meine erste Lernerfahrung war es somit, dass ich lieber von Beginn an mein eigenes Tempo gefahren wäre.

Immerhin konnte ich mich durch meine Taktik an die Spitze des Rennens setzten und diese für die ersten 4h halten. Dann nahm ich deutlich Tempo heraus, da ich ja noch 20h vor mir hatte. Ich musste also Christian Müller als neuen Führenden und kurz darauf auch den späteren Sieger Björn Fischer ziehen lassen. Und pendelte mich zwischen Rang 3 und 5 ein.

Bei permanentem Regen und unerwarteter Kälte wurde es bereits nach 6h und 200km eine mentale Herausforderung und meine erste Tiefphase begann. Zu Beginn der Nacht um 21 Uhr legte ich einen längeren Stopp ein um mich warm anzuziehen, zu essen und mein Rad für die Nacht vorzubereiten. Der Stopp dauerte deutlich länger als geplant und ich rutschte sogar aus den Top10, doch die Nacht begann gut. Ich fühlte mich körperlich gut, wenn auch nicht mehr so stark wie noch zu Beginn und mental war es auch okay.

Gerade hatte ich gegen 2 Uhr mit Kaffee und Cola gegen die aufkommende Müdigkeit angekämpft verweigerte mein Schaltwerk im unteren Teil des Anstieges den Dienst. Kein Gangwechsel mehr möglich. Ich brachte die Runde so gut es ging zu Ende und fuhr direkt zum Mechanikerzelt. Hier begannen dann die Probleme. Zunächst musste ich warten bis sich ein Mechaniker um mein Rad kümmern konnte. Dann stellte dieser fest, dass der Schaltzug im Schalthebel gerissen war und er den ganzen Hebel auseinander nehmen musste, um den Zug komplett heraus zu bekommen. Dann alles wieder zusammen bauen, neuen Zug verlegen, Schaltung einstellen – insgesamt kostete mich der Defekt fast 3h und sämtliche Motivation.

Ich entschied mich also, 40min zu schlafen und zwang mich anschließend wieder aufs Rad – dann waren eben 550km statt 650km das neue Ziel. Und tatsächlich lief es dann auch überraschend gut. Die langsam zurück kommende Helligkeit vertrieb die Müdigkeit und ich konnte konstante Runden mit vernünftiger Leistung erbringen.

Und irgendwann war klar, das würde nun tatsächlich die letzte Runde werden. Das letzte Mal den Anstieg hinauf, vorbei an den vielen Zuschauern, die teils die ganze Nacht wach geblieben waren und uns Fahrer angefeuert hatten. Die Abfahrt hinab, ein letztes Mal das Flachstück am Fluss entlang und so gut es noch ging über die Brücke nach Kelheim hinein sprinten, dann war es geschafft.

Und nun? Glücklich, enttäuscht, euphorisiert und völlig erledigt zugleich. Glücklich, dass ich diese Herausforderung geschafft habe und fast 550km am Stück absolviert habe. Enttäuscht, da ich als ehrgeiziger Mensch gerne auch eine gute Platzierung eingefahren hätte, welche mir jedoch großteils durch meinen nächtlichen Defekt und das darauf folgende Motivationsloch kaputt gemacht wurde, ich aber genau weiß, dass noch mehr gegangen wäre. Euphorisiert, weil es eine geile Veranstaltung mit großartigem Publikum war und ich das Rennen mit Gefühl verlassen habe noch eine Rechnung mit den 24h offen zu haben. Und völlig erledigt … nun ja … ich denke das erklärt sich von selbst…<<

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