24 Stunden von Kelheim

Rad am Ring – die grüne Hölle

2. August 2019 Comments (1) Berichte

Interview mit Yvonne zum 24h Stunden Sieg in Kelheim

In 24 Stunden so viele Kilometer wie möglich fahren. Wie geht das überhaupt? Wie bereitet man sich vor, wie erlebt man das währenddessen. Diese und andere Fragen haben wir  Yvonne gestellt, die das 24 Stunden Rennen in Kelheim nicht nur gefahren ist, sondern es auch gewonnen hat.

Sebamed Racing Team: wie kamst Du überhaupt darauf, ein 24-Stunden-Rennen anzugehen?

Yvonne: Naja, die langen Strecken liegen mir schon immer. Ich habe ja auch vor ein paar Jahren die „Tortour“ (Schweiz, 1.200Km am Stück) erfolgreich im Mixed bestritten (sie ist zu bescheiden es zu sagen, deshalb fügen wir es ein: sie hat auch da gewonnen).

SRT: Und hast Du dich besonders vorbereitet?

Y: Nein, eigentlich nicht. Anfang des Jahres war ich ja schon die Mallorca 312 gefahren, hatte ja außerdem dieses Jahr eine lange Zeit in Mallorca als Rad-Guide verbracht, da war ich sowieso gut in Form. Dann habe ich noch mal eine Woche Trainingslager im Urlaub eingelegt, eher zufällig, und da dann natürlich auch mal längere Zeit im Sattel gesessen.

SRT: Und vor Ort, wie hast Du das mit der Verpflegung geregelt, hattest Du Anschluss an ein Team?

Y: Nein, da hat mich eine Freundin unterstützt. Sie ist selbst eine gute Fahrerin, die ich seit langem kenne. Und irgendwann kamen wir im Gespräch darauf, dass ich in Kelheim starte, noch jemanden bräuchte. Da hat sie spontan angeboten, das zu übernehmen. Das hat mich sehr gefreut, denn bei ihr wusste ich, dass ich mich auf sie verlassen kann. So ein Helfer-Rolle ist total wichtig, das muss klappen, das, was gerade gebraucht wird, muss bereit sein, richtig angereicht werden, der abgesprochene Plan eingehalten werden. Sonst kann ich auf der Strecke auch meine Leistung nicht bringen. Die Helfer haben es manchmal schwerer als der Fahrer, weil als Fahrerin kann ich mich die ganze Zeit mit irgendwas beschäftigen, aber die Helferin hat zwischendrin auch mal Luft und 24 Stunden sind eine lange Zeit. Dabei musste sie immer wieder konzentriert sein, wenn es drauf ankam.

SRT: Mit was hast Du dich denn verpflegt?

Y: Ich versuche bei solchen Events, so lange wie möglich „normal“ zu essen. Erst möglichst spät auf Gels und sowas umzusteigen. Das belastet meinen Magen am wenigsten, ist so meine Erfahrung. Ich habe also in der ersten Zeit meist Laugengebäck gegessen. Und in meiner ersten Pause war es Kartoffelsuppe. Erst danach bin ich irgendwann auf unsere XENOFIT Gels umgestiegen, die vertrage ich ja wirklich gut und die geben dann auch echt noch mal so einen Kick.

SRT: A propos Pausen: hattest Du einen Pausenplan?

Y: Plan hatte ich keinen wirklichen. Ich wollte erst mal so lange am Stück auf dem Rad bleiben, wie es geht. Ich wusste ja auch, dass ich irgendwann Abends eh anhalten muss, um das Licht für die Nacht anzubringen.

SRT: Und was heißt das in Stunden, wie lange bist Du unterwegs gewesen bis zur ersten Pause?

Y: Das Rennen ging um 13:00 los, ich glaube, so um 20:30 habe ich meiner Freundin zugerufen, sie möchte bitte die Suppe warm machen. Es hat ja auch zwischendrin lange und stark geregnet, aber ich hatte mich bewusst entschieden, nicht anzuhalten, um Klamotten zu wechseln. Die wären ja auch gleich wieder nass gewesen. So habe ich dann eben gegen 21:00 angehalten und die vorbereitete Suppe gegessen, während meine Freundin das Licht montiert hat. Habe auch trockene Sachen angezogen, es hatte jetzt aufgehört zu regnen. Erst hatte ich auch überlegt, weil ich sowieso anhalten musste, ein paar Minuten weiter Pause zu machen, aber nach 10 Minuten habe ich gemerkt, dass ich anfange, zu frieren. Da bin ich lieber gleich weiter gefahren.

SRT: Und dann kam die Nacht. Wie war das?

Y: Eigentlich gar nicht so schlimm. Zum Glück hat es dann nicht mehr geregnet. Ich glaube, wenn der Regen so wie in den ersten Stunden weiter gegangen wäre, hätte ich irgendwann aufgesteckt. Am Ende bin ich Freitzeitfahrerin und es muss auch irgendwie Spaß machen. Aber so blieb es eine ganze Weile trocken. Und dann lag ich ja auch vorne, das gibt noch mal einen Schub.

SRT: Wie hast Du eigentlich gemerkt, dass Du vorne bist?

Y: Ja, das war auch für mich total überraschend. Man fährt bei diesem Event ja immer wieder, also auf jeder Runde, durch den Ort, über ein kurzes Stück Kopfsteinpflaster und dann in ein Festzelt! Am Ende des Zeltes dreht man um und fährt wieder raus. In dem Zelt war richtig Stimmung, was toll war und auch die Motivation hochhielt. Und da hat dann irgendwann der Sprecher mich als Führende der Frauenwertung angekündigt. Erst da habe ich realisiert, dass ich vorne liege. Danach habe ich dann meine Freundin immer wieder befragt, wie der Abstand ist und so weiter. Das hat mich schon angefeuert, und das wollte ich gerne halten.

SRT: Und dann kam der Morgen….

Y: Ja, morgens hatte ich schwer zu kämpfen. Meine Beine wurden langsam schwer. Es muss so bei 480 Kilometern gewesen sein, also nach circa 30 Runden, da hatte ich richtig zu kämpfen. Ab da war mein Gedanke eigentlich nur noch, meinen Vorsprung zu verwalten. Dachte, ich kann ja auch was einbüßen, hatte zu dem Zeitpunkt schon ordentlich Vorsprung. das müsste reichen. Dann fängt man an zu rechnen, wenn ich jetzt noch so und soviel Runden fahre, in jeder Zeit X verliere, dann müsste es doch noch reichen. Dazu fing es auch wieder mit dem Regen an, was es nicht leichter machte.

SRT: Am Ende hat es dann deutlich gereicht.

Y: Ich war auch im Ziel überrascht, dass ich doch einen sehr deutlichen Vorsprung hatte.

SRT: Die anderen Starterinnen werden am Ende auch nachgelassen haben.

Y: Bestimmt, aber das war mir im Verlauf nicht immer klar. Insofern habe ich mich im Ziel schon sehr gefreut.

SRT: Du hast 640 Kilometer abgespult, absolute Klasse! Hier noch mal herzlichen Glückwunsch und vielen Dank für das Interview!

 

 

One Response to Interview mit Yvonne zum 24h Stunden Sieg in Kelheim

  1. Volker sagt:

    Super Leistung Yvonne und interessante Einblicke im Interview. Ciao Volker

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