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20. August 2019 Comments (0) Berichte

Rad am Ring – die grüne Hölle

Jedes Jahr ein Höhepunkt der Saison ist das Rennen am Nürburgring, auch als „grüne Hölle“ bekannt, seit der weltberühmte Formel 1-Rennfahrer Jackie Stewart der Strecke Anfang der 70er den Namen gab.

150 Kilometer misst die lange Strecke, auf 6 Runden sind insgesamt deutlich über 3.000 Höhenmeter zu absolvieren. Entsprechend fahren die meisten auch kein Rennen gegen andere sondern eher gegen die eigenen Limits. Nur ganz vorne in der absoluten Leistungsspitze wird noch über Renntaktik nachgedacht.

In diesen Sphären fährt vom Sebamed Racing Team dieses Jahr nur einer: Andriy. Er fährt bis zum Schluss ganz vorne mit, allerdings die ganze Zeit mehr oder weniger am Limit. Meistens mehr. Allerdings geht das der Mehrzahl der sich Runde um Runde verkleinernden Spitzengruppe so. Zwischenzeitliche Attacken werden immer wieder neutralisiert, zu viele Fahrer sind dieses Jahr zu stark im GCC, so kann kein Einzelner oder eine kleine Gruppe sich absetzen. Als kleines Beispiel für die Stärke des vorderen Feldes: auf Platz zwei landet ein Fahrer, der bis vor wenigen Jahren noch als Profi sein Geld verdient hat. Als sich auf der letzten Runde die 10 stärksten Fahrer am Anstieg zur hohen Acht nach vorne absetzen, verpasst Andriy den Moment, hätte wohl aber auch nicht mitgehen können. Fast jede Runde musste er 350-400 Watt mobilisieren, um an diesem schwersten Teil der Runde dabei zu bleiben. So muss er in der letzten Runde die Gruppe ziehen lassen, die den Sieg unter sich ausmacht. Um ihn herum sammeln sich oben am Ende des Anstiegs rund 15 weitere Fahrer. In dieser zweiten Grupp geht es aus den welligen letzten Kilometern aufs Ziel zu. Nach der längeren Flachpassage kommen vor dem Ziel noch mal zwei Hügel, die in der letzten Runde schwer genug sind, um hier noch mal erfolgreiche Attacken zu setzen. Andriy fährt in diesem Bereich taktisch klug, hält sich aus dem Wind und folgt dem Antritt eines anderen Fahrers. Dieser drückt die letzten flachen 500 Meter zum Ziel voll durch, aus dem Windschatten heraus tritt Andriy im richtigen Moment an und sichert sich den ersten Platz der Verfolgergruppe. Mit einer Zeit von 3:57 Stunden hätte er vor einigen Jahren noch gewonnen, dieses Jahr belegt er den 11. Gesamtrang. Ein Top-Ergebnis angesichts dieses starken Feldes und am Ende nur knapp hinter dem Sieger.

Auch die anderen Sebamedler schlagen sich wacker. Bastian verbessert seine Vorjahreszeit um mehr als 25 Minuten (!) und belegt damit ein weiteres Mal, dass er auf einem guten Weg ist. Volker, der im Team bekannt ist für seine strukturierte Herangehensweise, hat sich einen Plan zurecht gelegt und eine Zielzeit ins Auge gefasst. Lest hier mit seinen Worten, wie es ihm damit erging:

>> Dieses Jahr war Wiedergutmachung für 2018 angesagt, war ich doch im letzten Jahr ab Runde 4 im Anstieg zur Hohen Acht total eingebrochen. Seinerzeit war ich in den ersten beiden Runden über mein Limit gegangen, was sich am Ende übel gerächt hatte. Für dieses Jahr stand Disziplin im Vordergrund. Als Gesamtzeit strebte ich 4:30 h an, d.h. 45 Min. pro Runde. Also bloß nicht verrückt machen lassen und durch striktes, wattbasiertes Pacing an der Hohen Acht dafür sorgen, dass der 4km lange Anstieg über alle Runden mit annähernd gleicher Leistung bewältigt werden konnte (Ziel: 100% Leistung).  So musste ich gleich in der ersten Runde an der Hohen Acht einen Großteil des Starterfeldes ziehen lassen. Ich fand aber noch eine gut harmonierende Gruppe von ca. 10 Fahrern, so dass die Runden 1 und 2 in 41 Min. bzw. knapp 43 Min. absolviert wurden. In Runde 3 wurde ich dann am Beginn der Döttinger Höhe von der Spitze des 75 Km Feldes überholt, was sicherlich dazu beigetragen hat, dass die Runden 3 (42:24 Min.) und 4 (44:34 Min.) ganz passabel ausfielen und mein Puffer zur Zielzeit von 4:30 h auf gut 9 Min. wuchs. Die 75 Km-Spitze konnte und wollte ich an der Hohen Acht natürlich nicht halten. Meine Gruppe wurde mal kleiner und wieder größer, wichtig aber war, dass wir in den Flachpassagen das Tempo relativ hoch halten konnten. Die Hohe Acht in Runde 4 war schon recht anstrengend und ich war mir nicht sicher, ob ich das Niveau weiter würde halten können. Mit meinem verbliebenen „belgischen Partner“ konnte ich jedoch noch zwei 45er Runden hinlegen, so dass es am Ende für eine persönliche Bestzeit von 4:21 h gereicht hat. Insbesondere das Konzept an der Hohen Acht war voll aufgegangen. Die Leistung in Runde 6 lag nur 5% unter der aus Runde 2 und die Runden 2 bis 5 waren nahezu identisch. Ich bin voll zufrieden! Zum Glück war ich beim einsetztenden Regen in Runde 6 bereits auf der Abfahrt von der Hohen Acht und hatte dadurch keine nennenswerten Probleme. Ich freue mich schon auf das nächste Jahr.

Rundenzeit / Wattwerte Anstieg Hohe Acht GCC Rad am Ring

2019: 41:00min/312 Watt (1), 42:55/288 (2), 42:24/290 (3), 44:34/286 (4), 45:27/283 (5), 44:58/274 (6)

 

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