Etappen-Sieg im Erzgebirge

13. August 2021 Comments (0) Berichte

Tobias und die Extrem-Distanzen…

Unser Teammitglied Tobias Glaßner ist im Team (und darüber hinaus) bekannt dafür, gerne mal längere Distanzen zu fahren. Ob das im Trainingslager die 30-50 Kilometer sind, die er noch dran hängt oder die Freizeitfahrt über 200 Km+ nur so zum Spaß. Klar, dass so einer auch gerne mal einen Marathon reinhängt, den Ötztaler und ähnliche Herausforderungen schon abgehakt hat. Diesmal allerdings hat er sich ein ganz extremes Teil rausgesucht: die Salzkammergut Trophy. 205 Kilometer, 7Tsd Höhenmeter – wohlgemerkt mit dem Mountainbike!

Lest nachstehend seinen Bericht über das, was er dabei erlebt hat (es sei hier nicht unerwähnt, dass er diese Herausforderung im Trikot seines Mountainbike-Hausvereins MTBC Wehrheim absolvierte, schöne Grüße hier an die Sportskameraden, mit denen wir uns den „Kilometer-verrückten“ Tobias `teilen´):

>>Dieses Jahr sollte es wohl endlich so sein, dass ich am Start der legendären Salzkammergut Trophy stand und die 205 km mit den knapp 7000 HM unter die Räder nehmen sollte. Aber erst einmal von Anfang an. Nach vielen verrückten Radsportevents und Wettkämpfen sollte es mal wieder was Extremes sein und ich hörte Ende 2018 von dieser Salzkammergut Trophy. Da gab es kürzere Distanzen und auch eine Langstrecke mit über 200km. Mit dem Rennrad, ja, kein Problem, aber mit dem Mountainbike?  Dazu kommen noch soviel Höhenmeter, wie ich zuvor auch noch nie am Stück gefahren bin. Aber was soll es, Mut zur Lücke. Anfang des Jahres 2019 war es dann endlich soweit und die Meldung wurde vom Veranstalter geöffnet. Und siehe da plötzlich stand mein Name auf der Starterliste, die Vorbereitung auf das Event startete und der Respekt wuchs von Woche zu Woche…

Nach einem guten Frühjahr und einigen Radkilometern in den Beinen stieg die Vorfreude und der Termin des Rennens rückte näher. Leider meinte es der Wettergott nicht gut mit mir und die Vorhersagen für den Wettkampftag waren eher schlecht. Viel Regen und niedrige Temperaturen.

Nach reichlicher Überlegung stornierte ich das Hotel und den Wettkampf… Die Enttäuschung war groß und aus dem Frust heraus fuhr ich am eigentlichen Wettkampftag meine ersten 300km auf dem Rennrad und ich war froh als der Tag endlich vorüber ging. Meinen Startplatz konnte ich glücklicherweise ins Jahr 2020 überschreiben genauso wie die Hoffnung darauf, das Event im Folgejahr zu absolvieren.

Doch dann war da plötzlich so ein „Coronavirus“ welches die Veranstaltung platzen ließ. Nach gewohnter Disziplin waren die Beine wieder in einer guten Verfassung und es wurde trainiert bis zur finalen Absage des Veranstalters. Die Enttäuschung war wiederum groß und zur Ablenkung ging es dann mit Familie und Freunden nach Reschen zum Enduro-Abenteuer.

Es sollte wohl nicht sein mit der Salzkammergut Trophy…

Ende des Jahres hatte ich dann auch noch eine Zwangspause, nach einem Sturz im „Flowtrail Feldberg“ brach ich mir 4 Rippen, das linke Schlüsselbein und Schulterblatt. Zwei Wochen später nach überstandener OP und Physiotherapie dann lockeres Training auf der Rolle bis ich Ende Januar wieder raus auf die Straße und ins Gelände durfte.

Im Jahr 2021 mit den Coronaregeln und Inzidenzen plante ich nur halbherzig mit einer Teilnahme. Trainingslager Mallorca fiel ins Wasser, verschiedene Wettkämpfe wurden im Vorfeld abgesagt, aber ein wenig Hoffnung gab es. Der Veranstalter pokerte und siehe da, plötzlich kam die ersehnte Mail aus dem Salzkammergut: „das Rennen findet statt!“

Im Vorfeld fuhr ich zwar den einen oder anderen 200er aber ernsthaft machte ich mir erst Mitte Mai Gedanken, ob ich es nochmal angehen sollte. Nachdem der Entschluss zur Teilnahme stand, fuhr ich vermehrt lange Einheiten, darunter auch eine lange 430km Tour nach Frankreich und zum Schluss einige MTB-Touren mit Höhenmetern im Taunus. Spätestens da wurde mir klar, auf was ich mich da eingelassen habe..

In der Woche vor dem Rennen zeigte sich der ansonsten eher maue Sommer von seiner besten Seite und die Prognosen für den Wettkampftag waren hervorragend. Hotel hatte ich gebucht und der Plan war am Donnerstag vor dem Rennen anzureisen.

Anfang der Woche dann wieder das gleiche Thema wie Jahre zuvor. Regen, Regen, Regen… Es sollte nicht besser werden und ich stornierte das Hotel in Bad Ischl… Tag für Tag schaute ich in die verschiedenen Wetter-Apps und siehe da, doch endlich Besserung in Sicht. Am Donnerstag buchte ich kurz entschlossen erneut ein Hotel direkt in Bad Goisern und startete am Freitag früh morgens in Richtung Österreich.

Nach der Anreise und Ankunft in Bad Goisern schien die Sonne, es lag eine leichte Bewölkung über den Bergen und Temperaturen lagen um die 24 Grad.  Der Spaß konnte beginnen. Startnummern abholen. Rad checken und fertig machen für den Höllenritt… Gegen Abend dann schon bei der Wettkampfbesprechung die Nachricht: „der Regen kommt und nicht zu knapp…!“ Sämtliche WetterApps sagten Regen voraus. Temperaturen am Berg von 9 und im Tal bei 17 Grad. Auch als der Wecker um 3:15 Uhr klingelte: Dauerregen. Es stellte sich die Frage – starten oder wieder ins Bett gehen? Nach kurzer Überlegung stand der Entschluss: nach all den Jahren, der Anreise mit allem was dazu gehört – ich werde am Start stehen, und schauen wie weit ich komme!

Der Regen sollte gegen 04:20 Uhr eine Pause einlegen. Gegen 04:30 Uhr ging es dann mit Regenjacke, Hose und Schutzblech im Gepäck an den Start. Pünktlich um 5 Uhr ging ich dann mit der Startnummer A333 ins Rennen. Weiterhin gingen auch 320 Starter der ursprünglich  gemeldeten 520 ins Rennen. Von diesen sollten an diesem Tag nur ca. 220 das Ziel im Bad Goisern sehen.

Kurz nach dem Start, Ortsausgang Bad Goisern Richtung ersten Berg, war er dann wieder da. Ab nun an regnete es den ganzen Tag mit kurzen Pausen. Wenn das Wasser nicht von oben kam, kam es von unten, von vorne oder von der Seite. Im Anstieg dann großes Schweigen der Teilnehmer, jeder versuchte, mit sich und dem Tag klar zu kommen…  Im ersten Anstieg Richtung Raschberg ging der Puls dann extrem nach oben und ich hatte kein gutes Gefühl. Nach und nach fiel der Puls und die Beine fühlten sich besser an. In den ersten Abfahrten war dann Fahrtechnik gefragt. Trails die bei gutem Wetter recht schwierig zu fahren waren wurden zu Laufpassagen.

Anfangs noch sichtbare Trails, später dann kleine Bachläufe, in denen man knöcheltief durchs Wasser lief. Von Anstieg zu Anstieg lief es dann immer besser. Das defensive Vorgehen zahlte sich aus und nach knapp 7 Stunden und 100km war die erstmal die Hälfte geschafft.

Nach ca. 120km dann direkt am Abzweig Richtung Ziel oder weiter auf der Strecke? Starkregen so wie ich ihn noch nie erlebt habe. Mental stark sein, nicht auf die Schilder schauen und weiter auf der Strecke Rund um den Hallstädter See in Richtung „Salzberg“. Ich hatte das Gefühl jetzt alleine auf der Strecke zu fahren. Hinter mir kein Fahrer mehr, vor mir auch keiner mehr. Nach einigen Kilometern dann endlich wieder ein Starter. Gemeinsam ging es dann durch den Regen in den Anstieg hinauf zum legendären „Salzberg“. Nach kurzen Schiebepassagen war ich dann oberhalb wieder auf mich alleine gestellt und fuhr wieder mal mein eigenes Rennen gegen mich selbst. Die Beine wurden immer schwerer und mental hieß es jetzt stark sein, sich nochmal zu motivieren, an schöne Sachen zu denken und immer noch konzentriert in die Abfahrten zu gehen.

An der letzten Rampe konnte ich dann nochmal mit einem weiteren Starter fahren und er sagte: „Jetzt kommt der letzte Berg, lockere 600HM!“

Ich dachte nur 600HM, wie mein Hausanstieg, Hohe Mark zum Feldberg. Wird schon gehen. Beine sind zwar müde aber noch erschreckend gut. Jetzt aber nicht zu früh die Konzentration verlieren bevor das Ziel in greifbarer Nähe ist. Die letzten Kilometer, leicht wellig, Forstwege, leichte Trails, Asphalt. Gänsehaut am ganzen Körper, tausend Gedanken im Kopf, Tränen in den Augen, Ortseingang Bad Goisern, noch durch den Ortskern und da war es, das Zielbanner der Salzkammergut Trophy 2021..

Nach 13 Std. 41min. 44 sec. , 205km mit 6526 Hm und gefühlten 13 Std. Regen endlich im Ziel. Platz 83. Gesamt und 32. in der AK M40. …einmal oder vielleicht sogar in diesem Jahr zweimal Hölle und zurück..!

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